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Was wird eigentlich per Luftfracht transportiert?

Sushi und Schnittblumen – daran denken viele bei der Frage, was per Luftfracht transportiert wird. Was tatsächlich in Frachtflugzeugen und im Frachtraum von Passagierflugzeugen befördert wird, zeigt eine aktuelle Auswertung der Außenhandelszahlen des Statistischen Bundesamts: vor allem hochwertige Produkte aus den Schlüsselbranchen des Industriestandorts Deutschland und dabei besonders zeit- und temperatursensible Waren.

Der Warentransport mit dem Flugzeug ist wichtig für den Industriestandort Deutschland: Bezogen auf den Warenwert werden fast 30 Prozent aller deutschen Exporte nach Übersee mit dem Flugzeug befördert.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts transportierten Fracht- und Passagierflugzeuge im Jahr 2016 Außenhandelswaren im Wert von insgesamt 236 Milliarden Euro. Auf den Export deutscher Produkte entfielen davon 142 Milliarden Euro, auf den Import ausländischer Produkte nach Deutschland 94 Milliarden Euro.

Mit dem Flugzeug ließen Spediteure und Unternehmen vor allem besonders hochwertige und zeitsensible Waren transportieren, für die der Land- oder Meeresweg keine Alternative ist: Maschinen, Ersatzteile, High-Tech-Produkte, Fahrzeugteile, Gemälde etc.

So zeigt die offizielle Außenhandelsstatistik, dass insbesondere Güter aus Branchen des industriellen Kerns per Luftfracht transportiert werden – also aus jenen Bereichen, hinter denen auch viele deutsche Arbeitsplätze und ein großer Teil der Wertschöpfung am Standort Deutschland steht.

Wertmäßig machen elektrotechnische Waren, optische Erzeugnisse, Maschinen und Maschinenteile sowie Produkte der Pharma- und Chemieindustrie fast 77 Prozent von dem aus, was mit dem Flugzeug nach Übersee transportiert wird. Die wichtigsten Empfängerländer sind dabei die USA und China, gefolgt von Japan, Südkorea, Taiwan und Indien.

Beim Import aus Übersee ist die Warenstruktur ähnlich. Gleiches gilt für die Länder, aus denen Deutschland besonders viel auf dem Luftweg importiert: Das sind die USA und China, gefolgt von Japan, Taiwan und Malaysia.

Per Luftfracht werden besonders hochwertige Güter transportiert

Gemessen an der Warenmenge ist der Anteil der Luftfracht am gesamten Außenhandel gering: Beim Export von Deutschland nach Übersee wurden 2016 gerade einmal 3 Prozent der Waren mit dem Flugzeug transportiert. Bei den Importen aus Übersee nach Deutschland war es sogar nur knapp 1 Prozent.

Der wertmäßige Anteil der Luftfracht hingegen ist wesentlich größer: Bei den Exporten aus Übersee beträgt der Anteil der per Luftfracht transportierten Waren 29,7 Prozent, bei den Importen 28,0 Prozent.

Wie hochwertig die per Luftfracht transportierten Waren sind, zeigt sich auch im Vergleich mit anderen Verkehrsträgern: Laut Statistischem Bundesamt lag der Wert einer Tonne Luftfracht im Jahr 2016 durchschnittlich bei 80.250 Euro. Zum Vergleich: Eine beförderte Tonne im Seeverkehr war beispielsweise im Schnitt nur 1.932 Euro wert.

Diese Zahlen berücksichtigen nur den ausgewiesenen Wert der per Luftfracht transportierten Waren. Der volkswirtschaftliche Wert kann jedoch deutlich darüber liegen: So kann ein Mikroschalter in der Anschaffung nur wenige Euro kosten. Doch wenn ein auf dem Luftweg transportierter Mikroschalter verhindert, dass eine ganze Produktionslinie ausfällt, dann kann sein tatsächlicher Wert schnell im Millionenbereich liegen.

Auch eine Umfrage des ifo-Instituts zeigt, wie wichtig Luftverkehr für die Kernbranchen des Industriestandorts ist: 74 Prozent der deutschen Industrieunternehmengeben an, dass Flugverbindungen für ihren Erfolg von großer Bedeutung sind – vor allem Unternehmen aus dem Maschinenbau (90 Prozent), aus der pharmazeutischen Industrie (86 Prozent) und aus dem Fahrzeugbau (80 Prozent).

Per Luftfracht werden besonders zeitsensible Güter transportiert

Gerade bei zeit- und temperatursensiblen Gütern kann Luftfracht ihre Vorteile als schneller und sicherer Verkehrsträger ausspielen. Medikamente, Blutkonserven und Organe, aber auch andere verderbliche Güter werden bevorzugt auf dem Luftweg transportiert, denn so lassen sich Unterbrechungen der Kühlkette, etwa beim Umladen, so kurz wie möglich halten.

Doch nicht nur für Industrieunternehmen, auch für Einzelhandel und Onlinehandel hat Luftfracht eine herausragende Bedeutung, auch wenn das die Endkunden meist gar nicht bemerken – beispielsweise kommen mehr als 90 Prozent aller Smartphones auf dem Luftweg nach Deutschland.

Neben Frankfurt als größtem Frachtflughafen Deutschlands kommt dabei vor allem Leipzig/Halle und Köln/Bonn als Flughäfen für Expressfracht eine besondere Rolle zu.

Wenn es einmal schnell gehen muss mit einem Geburtstagsgeschenk oder einem Hochzeitsoutfit, geht das in der Regel nicht ohne Luftfracht. Expressbestellungen, bei denen die Kunden schon am Folgetag in der Hand halten, was sie heute online bei einem Händler aus einem anderen Land bestellen, brauchen die Luftfracht: Dabei werden die eiligen Warensendungen von sogenannten Integratoren an Drehkreuzflughäfen umgeschlagen und dort auf Flüge nach ganz Europa weiterverteilt. Beispielsweise betreibt der Logistikkonzern DHL am Standort Leipzig/Halle sein Europadrehkreuz.