Die Luftfahrt investiert Milliarden in aktiven und passiven Schallschutz

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Luftfahrt aktuell 4 | 2018: Wie viele Menschen sind von Fluglärm betroffen?
Das Luftfahrt aktuell 4 | 2018 beschäftigt sich mit dem Thema, wie viele Menschen von Fluglärm betroffen sind.
Charité-Studie zum Thema Fluglärm
Die Charité-Studie zum Thema "Evaluierung der Forschung zur Wirkung von Fluglärm auf den Menschen".
Fluglärmreport 2015
Mit dem Fluglärmreport 2015 stellt der BDL die zentralen Daten und Fakten zum Thema zusammen und erläutert Strategien und Maßnahmen, die zu einer Verringerung der Lärmbelastung führen.

Weitere Bausteine zum Schutz gegen Fluglärm sind eine effiziente Verkehrssteuerung und optimierte Flugverfahren. Dazu gehören auch der kontinuierliche Sinkflug sowie satellitengestützte Anflugverfahren. Ein weiterer Baustein sind lärmbezogene Flughafenentgelte: Je lauter das Flugzeug ist, umso höher sind die Gebühren an den Flughäfen: Das kann Anreiz sein, leisere Flugzeuge einzusetzen.

Wichtig in der Debatte um Fluglärm ist außerdem, Transparenz zu schaffen. Dies gelingt, in dem die Bürger frühzeitig informiert werden, durch ein verbessertes Beschwerdemanagement sowie die Beteiligung von Delegierten in den Fluglärmkommissionen. Zahlreiche Flughäfen veröffentlichen Daten von Lärmmessungen und Messstationen auf eigenen Webseiten.

Aktiver Schallschutz

Am effektivsten werden Anwohner durch den Austausch von alten und lauten Flugzeugen durch moderne leisere Flugzeuge geschützt oder durch Nachrüstungen an Triebwerken, Flügeln oder Fahrwerken der Bestandsflotte. Jede neue Flugzeuggeneration ist deutlich leiser als die Vorgängergeneration. So konnte der Lärmpegel eines Flugzeugs in den vergangenen sechs Jahrzehnten um 88 Prozent bzw. 30dB reduziert werden. Der Austausch einer A320 durch eine neue und leisere A320neo halbiert beispielsweise den Lärmteppich beim Start.

Auch am Boden wird einiges unternommen, um Lärmemissionen zu mindern: Durch den Einsatz von Bodenstrom an Flughäfen und das Bereitstellen von klimatisierter Luft wird vermieden, dass Flugzeuge auf der Parkposition ihre Hilfstriebwerke laufen lassen müssen. Zudem gibt es alternative Antriebe beim Bodenverkehr. Flugzeugschlepper werden eingesetzt, um Lärmemissionen von Triebwerken zu mindern, denn diese werden dadurch so spät wie möglich eingeschaltet.

Passiver Schallschutz

Sind Anwohner dennoch von Fluglärm betroffen, können sie seit Jahren bauliche Maßnahmen wie Schallschutzfenster geltend machen. Dies ist ein weiterer wichtiger Ansatz zur Reduzierung der Lärmbelastung und somit zum Schutz der Bevölkerung, der seit Jahren von der Luftverkehrswirtschaft praktiziert wird. Bis 2016 gaben die Flughäfen und Fluggesellschaften 1,12 Milliarden Euro für den Schallschutz aus. Durch Schallschutzhallen für Triebwerkstests am Boden werden die Anwohner außerdem vor Lärm geschützt.

Notwendig ist in diesem Zusammenhang jedoch auch eine verantwortungsbewusste Siedlungspolitik im Umfeld von Flughäfen, um die Zahl der Fluglärmbetroffenen nicht auszuweiten. Unter anderem könnte eine Siedlungsbeschränkung im unmittelbaren Umfeld von Flughäfen dazu beitragen, dass nicht noch mehr Menschen von Fluglärm betroffen wären.

Betroffene von Verkehrslärm in Deutschland

Obwohl Flugzeuge immer leiser werden und mit zahlreichen Maßnahmen daran gearbeitet wird, Anwohner vor Fluglärm zu schützen, hat die Zahl der Beschwerden über Fluglärm in den letzten Jahren zugenommen. Dabei gibt es jedoch immer öfter einzelne Beschwerdeführer, die Tausende automatisch generierte Beschwerden einreichen und so das Bild über die tatsächliche Lärmbetroffenheit verzerren.

Das Umweltbundesamt erfasst seit 2007 im Abstand von fünf Jahren, wie viele Menschen in Deutschland tatsächlich von Verkehrslärm betroffen sind: Laut Auswertung von August 2018 sind 8,7 Millionen Menschen in Deutschland von Straßenlärm betroffen und 6,4 Millionen Menschen von Schienenlärm. Von Fluglärm ist mit 0,8 Millionen Personen die mit Abstand kleinste Bevölkerungsgruppe betroffen. Grundlage für diese Zahlen ist – wie für alle Verkehrsträger – ein Dauerschallpegel von mehr als 55dB (A). Das heißt, dass in Summe 19 Mal mehr Menschen von Straßen- und Schienenlärm betroffen sind als von Fluglärm

Nimmt man die Zahlen der Lärmbetroffenen in der Nacht und einen sogar niedrigeren Dauerschallpegel von 50 dB(A) für diesen Betrachtungszeitraum, so fallen nach den Zahlen des Umweltbundesamtes die Unterschiede noch deutlicher aus: Zwischen 22 und 6 Uhr werden 23 Mal mehr Menschen von Straßenlärm und 21 Mal mehr Menschen von Schienenlärm gestört als von Fluglärm. Nachts sind insgesamt 5,6 Millionen Menschen von Straßenlärm betroffen, 5,2 Millionen von Schienenlärm und 0,2 Millionen von Fluglärm.

Unterschiede gibt es auch bei der Anzahl der sog. Hochbetroffenen, die zwischen 0 und 24 Uhr einem Dauerschallpegel von mehr als 70 dB(A) ausgesetzt sind: Dies sind 697.500 Menschen bei der Straße, 324.200 bei der Schiene und 3.700 im Luftverkehr.

„Belastung“ versus „Belästigung“

Während die objektiv messbare Belastung durch Fluglärm rückläufig ist, steigt die Anzahl der Menschen, die sich subjektiv von Fluglärm dennoch belästigt fühlen. Denn Menschen nehmen gleiche Geräusche ganz unterschiedlich und somit individuell wahr: Was für den einen angenehm ist, kann für den anderen bereits unzumutbaren Krach bedeuten. Neben der messbaren Lautstärke spielt auch die Einstellung des Hörenden zum Gehörten eine Rolle bei der Bewertung. Insofern können Geräusche das subjektive Empfinden von Menschen schon allein dadurch beeinträchtigen, dass sie stören – sie können Stress verursachen. Selbst in einer Intensität, die die Gesundheit nicht beeinträchtigt, kann Schall körperliche Stressreaktionen auslösen. Diese können auch im Schlaf auftreten.

Das Fluglärmportal

Die aktuellsten Nachrichten sowie viele Fakten und Grafiken zum Thema Fluglärm liefert das Wissensportal www.fluglärm-portal.de.