Die Luftfahrt investiert Milliarden in energieeffizientes Fliegen

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Dokumente
Klimaschutzreport 2018
Klimaschutzreport 2018 mit Zahlen und Fakten zu den Fortschritten beim Klimaschutz im Luftverkehr
BDL-Positionspapier zum Klimaschutz im Luftverkehr
Das BDL-Positionspapier zum „Klimaschutz im Luftverkehr" beleuchtet die herausragende wirtschaftliche Bedeutung des Luftverkehrs vor dem Hintergrund seiner hohen umweltpolitischen Verantwortung.
BDL-Positionspapier zum ICAO Klimaschutzinstrument CORSIA
Positionspapier zu CORSIA (Carbon Offsetting and Reduction Scheme for International Aviation), dem globalen marktbasierten Klimaschutzinstrument für den internationalen Luftverkehr
BDL-Stellungnahme Corsia ersetzt EU-ETS
Stellungnahme zum EU-Kommissionsvorschlag zur Änderung der europäischen Emissionshandelsrichtlinie 2003/87/EG zur Aufrechterhaltung der derzeitigen Einschränkung ihrer Anwendung auf Luftverkehrstätigkeiten und zur Vorbereitung der Umsetzung eines globalen marktbasierten Mechanismus ab 2021

Deutschland ist eine Luftfahrtnation der ersten Stunde. Pioniere wie Graf Zeppelin, Otto Lilienthal und Hugo Junkers haben Luftfahrtgeschichte geschrieben. Im Laufe der Jahrzehnte ist der Luftverkehr von einem Luxus für wenige Wohlhabende zu einem attraktiven Verkehrsträger für Viele geworden. Nach einer repräsentativen Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen fliegen die Deutschen gerne, allerdings gibt immerhin knapp ein Drittel an, aus Umweltschutzgründen eher ein schlechtes Gewissen dabei zu haben. Deswegen die berechtigte Frage: Wie ist das mit dem Umwelt- und Klimaschutz im Luftverkehr?

Schon 2009 haben sich Fluggesellschaften, Flugzeughersteller, Flugsicherungen und Flughäfen weltweit auf eine Klimaschutzstrategie verständigt: Demnach soll der Kraftstoffverbrauch pro Jahr um 1,5 Prozent gesenkt werden, ab 2020 soll das Wachstum des Luftverkehrs dann CO2-neutral erfolgen. Das Ziel ist außerdem, die Netto-CO2-Emissionen der Luftfahrt bis zum Jahr 2050 zu halbieren – gegenüber 2005.

Verbrauch gesenkt - CO2-Anstieg verringert

Hätten Sie’s gewusst? Die deutsche Luftfahrt gehört zu den Vorreitern in Sachen Energieeffizienz: Keine andere Branche hat ihren Treibstoffverbrauch pro Passagier in den vergangenen Jahren so verbessert wie die Luftfahrt. Deutschlands moderne Luftflotte verbraucht heute durchschnittlich 3,58 Liter Kerosin pro 100 Kilometer und Passagier. Das sind 43 Prozent weniger Treibstoff als noch 1990. Mit der Senkung des spezifischen Energiebedarfs der Flugzeuge werden der Verbrauch von Kerosin und somit die Emissionen von CO2 reduziert.

Und noch eines unterscheidet die deutschen Fluggesellschaften von anderen Verkehrsträgern: Für ihr Engagement ist kein Druck von außen nötig. Kerosin macht bis zu einem Drittel der Betriebskosten aus. Es ist daher im ureigenen Interesse der Fluggesellschaften, nicht nur ökonomisch, sondern auch ökologisch sinnvoll zu handeln.

Um den Treibstoffbedarf und damit den CO2-Ausstoß eines Flugzeugs zu senken, muss an vielen Stellschrauben gedreht werden. Die wichtigsten dabei sind Antriebe, Aerodynamik und neue Werkstoffe. Entsprechende technische Innovationen sorgen dafür, dass mit jeder neuen Flugzeuggeneration der Treibstoffbedarf um bis zu 25 Prozent gesenkt wird. Am wirkungsvollsten sind also Investitionen in neue Flugzeuge. Die deutschen Fluggesellschaften investieren kontinuierlich in neues Fluggerät: zurzeit in 242 verbrauchsärmere Flugzeuge zum Listenpreis von insgesamt 39 Milliarden Euro. Neben den technischen Innovationen führen auch optimal aufeinander abgestimmte betriebliche Prozesse am Boden und in der Luft sowie die Umsetzung des Einheitlichen Europäischen Luftraums zu einer weiteren Senkung des Kraftstoffverbrauchs.

CO2-neutral fliegen

Um langfristig CO2-neutral fliegen zu können, bedarf es der Entwicklung alternativer Kraftstoffe und Antriebe sowie einer politischen Unterstützung, um deren Anwendung marktfähig zu machen. Schon heute ist der Einsatz von alternativen Kraftstoffen im Luftverkehr technisch möglich und einige Fluggesellschaften setzen sie auf ihren Routen bereits ein. Aber noch sind diese Kraftstoffe um ein Vielfaches teurer als herkömmliches Kerosin. Zudem sind alternative Kraftstoffe bisher längst nicht in ausreichender Menge verfügbar, sondern werden in der Regel in geringen Mengen in Forschungs- und Pilotanlagen hergestellt. Hier bedarf es noch großer Anstrengungen hinsichtlich Forschung und politischer Rahmenbedingungen, um echte Alternativen zum konventionellen Kerosin zur Marktreife zu bringen. Neben den Kraftstoffen werden auch die Forschungen im Bereich der Flugzeugkonzepte sowie der Antriebe stetig vorangetrieben.

Schon heute wächst der innereuropäische Luftverkehr CO2-neutral, denn internationale Flüge innerhalb Europas werden bereits seit 2012 in den Europäischen Emissionshandel einbezogen. Ursprünglich sollten alle grenzüberschreitenden Flüge, die von Flughäfen innerhalb der EU starten, ein entsprechender Kompensationsbeitrag erhoben werden.  Bei Einführung des Emissionshandelssystems für den Luftverkehr in Europa hat sich jedoch gezeigt, dass viele Staaten, darunter auch die USA, China, Russland und Indien, den europäischen Emissionshandel ablehnen. Diese Länder kritisieren das europäische System, weil sie einen Eingriff in ihre eigene staatliche Souveränität sehen. Um die Einigung auf internationaler Ebene nicht zu gefährden, hatte die europäische Kommission den Emissionshandel für das Jahr 2012 auf die inner-europäischen Flüge beschränkt.

Klimaneutral fliegen

Damit klimaneutrales Fliegen auf lange Sicht möglich wird, müssen eine Reihe von Klimafaktoren berücksichtigt werden. An erster Stelle stehen hier die CO2-Emissionen, die bei der Verbrennung von Kerosin in den Triebwerken entstehen. Diese gilt es mit Hilfe neuer sparsamerer Technologien und emissionsärmerer alternativer Kraftstoffe zu senken, zum Beispiel mit Power-to-Liquid-Kraftstoffen. Flugzeuge erzeugen jedoch nicht nur Kohlenstoffdioxid sondern auch andere Treibhausgase und Luftschadstoffe. Vor allem die Emissionen an Stickoxiden müssen bei der Bewertung der Klimawirkung des Luftverkehrs berücksichtigt werden. Neben CO2- und NOX-Emissionen gilt es, die Erzeugung von Kondensstreifen und die damit einhergehende Veränderung der Wolkenbildung bei der Bewertung der Klimawirkung des Luftverkehrs zu beachten. Zur Vermeidung von Kondensstreifen gibt es daher Ideen, wie man Gebiete, in denen diese entstehen, umfliegen kann – etwa indem Flugroute – und -höhe angepasst werden.

Mehr Informationen zum Klimaschutz im Luftverkehr

Die aktuellsten Nachrichten sowie viele Fakten und Grafiken zum Thema Klimaschutz im Luftverkehr liefert das Wissensportal www.klimaschutz-portal.aero.