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Feline Mennenga, Copilotin

Als sie anfing, hat die Münchnerin Getränke und Essen an Bord serviert. Seit fünf Jahren steuert sie als Copilotin einen Airbus A320. An Wolken und der Sonne kann sie sich noch immer nicht sattsehen. In den kommenden Jahren könnte sie als Kapitän ihren vierten Streifen erhalten.

Das erste Mal wird sie nie wieder vergessen können. Beim Start in Düsseldorf trübte das Regenwetter noch die Gedanken, aber über den Wolken spielte das keine Rolle mehr. Und nach einem aufregenden ersten Arbeitstag an Bord zerteilte der Jet beim Anflug den Dunst und unten tauchte New York auf. „Ich war von dem Anblick dieser Stadt völlig fasziniert“, erinnert sich die heute 32-jährige Feline Mennenga an ihr erstes Cockpit-Erlebnis. „Ich habe dann spontan gesagt, dass ich das eines Tages auch mal machen möchte und die Piloten damit zum Grinsen gebracht. Die haben sich wohl ihren Teil gedacht.“ Immerhin war es gerade der Schnupperflug der Neuen, die in den kommenden Wochen als Flugbegleiterin zunächst für die Sicherheit der Fluggäste zuständig sein und vor allem eines steuern würde – den Wagen mit den Getränken. Doch ein Jahr als Flugbegleiterin ging schnell vorbei. Fünf Jahre bei der Condor mit mehr als 3000 Flugstunden im Cockpit haben Feline Mennenga dem vierten Streifen auf Ärmeln und Schulterstücken nähergebracht: Wenn sie Kapitän wird, wäre sie noch immer eine von wenigen Flugzeugführerinnen.

Vor dem Start müssen die Piloten das Flugzeug sorgfältig überprüfen

Ein Donnerstag in den Sommerferien, die Sonne ist gerade aufgegangen. Die Urlauber auf dem Weg von München nach Griechenland gähnen ein ums andere Mal herzhaft. Purserette Antje Mader stört die frühe Stunde nicht. „Hier entlang, wenn Sie Lust haben“, lädt sie einen Passagier beim Einsteigen ein. „So groß ist das Flugzeug nicht, wir finden Ihren Sitz schon“, scherzt sie weiter. Während die Kabinenkolleginnen sich um die Gäste kümmern, nimmt Feline Mennenga die Maschine von außen in genauen Augenschein. Konzentriert, die blonden Haare zum Zopf gebunden, untersucht sie Fahrwerk und die Triebwerke des Airbus A320. Zurück im Cockpit überprüft sie weiter Instrumente und Geräte. Wenige sind es nicht: Schalter, Anzeigen und Displays bestimmen den Raum. Kapitän Michael Hohmann kümmert sich derweil um die Wettervoraussagen für den Trip nach Rhodos. Unterschiede bei den Aufgaben gibt es zwischen Kapitän und Copilot nur wenige: Einer der beiden ist jeweils der „flying pilot“, der andere der „monitoring pilot“. Auf dem Rückweg wird dann getauscht. Michael Hohmann, seit 14 Jahren im Cockpit, verfügt über einen Erfahrungsvorsprung und trägt letztlich die Verantwortung.

Der Münchner Tower teilt mit, dass die Startzeit naht. Doch die Vorbereitungen der Condor-Mannschaft sind ohnehin fast abgeschlossen, schließlich sollen die Gäste ihren Urlaub so früh wie möglich beginnen können. Ein paar Absprachen mit den Lotsen später rollt die Maschine zum Startpunkt. Feline Mennenga richtet noch kurz die Sonnenblende aus, dann drückt Kapitän Hohmann den Schubregler konzentriert nach vorn: Augenblicke später ragt das Cockpit steil nach oben, während die Passagiere in den hinteren Reihen noch Boden spüren. Jetzt schieben die Triebwerke die A320 in den Himmel, die Räder verlieren den Kontakt zur Bahn, aus Schweben wird Fliegen.

Wenn aus Schweben Fliegen geworden ist

„Ich habe immer gewusst, dass ich im Tourismus landen will“, denkt Feline Mennenga ein paar Jahre zurück. Nach dem Abitur im „kleinen, schönen Städtchen Minden“ studierte sie in Köln BWL mit Schwerpunkt Tourismus. Dazu gehörten immer wieder Praktika in einem Hotel in St. Domingo in der Dominikanischen Republik. „Das ist ein nettes Land und Spanisch als neue Sprache konnte ich gut gebrauchen“. Über die Jahre lernte die Münchnerin auf diese Weise alle Bereiche des Hotels kennen. So entstand auch ihre Bachelorarbeit vor Ort. Feline Mennenga wollte noch eine Pause einlegen, bevor schließlich das Masterstudium folgen sollte. „Das hätte ich auch gemacht, wenn ich nicht bei der Fliegerei gelandet wäre“, erinnert sie sich mit einem Lachen. Auf die Luftfahrt hat sie letztlich ein Crew-Mitglied gebracht, der regelmäßig im Hotel in St. Domingo zu Gast war. So heuerte Feline Mennenga als Flugbegleiterin an. Ein Jahr sah sie viele exotische Orte wie die Malediven, die Seychellen und Bangkok: „Ich war von vornherein total begeistert.“ Insofern stellte sich die Frage „Wie weiter?“ nach dem Jahr eigentlich nicht, ihre Leidenschaft fürs Fliegen war stärker denn je. Auf einer privaten Flugschule begann sie ihre Ausbildung zur Pilotin.

Der Airbus wird per Stick gesteuert

Elf Kilometer über dem Boden – unter der rechten Tragfläche zieht gerade Salzburg vorbei – schaltet die heutige Copilotin das Mikro für die Passagiere ein: „Guten Tag, meine Damen und Herren, mein Name ist Feline Mennenga und ich darf Sie heute nach Rhodos fliegen. Das Thermometer an unserem Zielort zeigt aktuell 28 Grad an, also bestes Urlaubswetter.“ Oft vermuten die Urlauber anhand des ungewöhnlichen Namens der Copilotin einen exotischen Herkunftsort. Dabei stammt der Name wie Mennengas Großeltern aus dem ostfriesischen Borkum. „Viele Gäste schauen zweimal, wenn sie sehen, dass ich als Frau vorne sitze“, sagt die Copilotin. Aber es ist mehr freundliche Neugier, Vorbehalte gegen eine Pilotin hat sie in den fünf Jahren bei der Condor noch nicht erlebt. „In der Flugschule dachten Ausbilder manchmal, dem blonden Mädel müssten sie es besonders deutlich erklären, aber schon damals waren wir 6 Frauen in einem Kurs für 23 Anwärter“, erinnert sich die 32-Jährige. Heute fliegen bei der Condor 33 Frauen; 7 von ihnen haben schon geschafft, was Feline Mennenga noch erreichen will, nämlich die Kapitänswerdung. Eine Empfehlung dazu hat sie bereits. Auch wenn ihr der Sprung gelingt, bleibt die Fliegerei vorerst weiter eine Männerdomäne: Bei Condor sind nur etwas mehr als 5 Prozent des fliegendes Personals weiblich.

Der Airbus überquert die Mittelmeerküste. Ein anonymer Künstler hat den Himmel mit Wolken der Kategorie „extra-fluffig“ dekoriert. „Ich kann mich nach den ganzen Jahren an dem Anblick immer noch nicht sattsehen“, sagt Feline Mennenga. Kapitän Hohmann nickt zustimmend. Zeit zum Träumen bleibt allerdings nicht: Die Lotsen der Bodenstationen nehmen den Airbus in ihren Zonen in Empfang, stimmen mit den Piloten ab, welche Markierungen angeflogen werden sollen, leiten den Jet bis ans Ziel. Wetterbericht und Wolkenradar müssen beobachtet werden, die Passagiere auf die Landung vorbereitet werden. In der Ferne kommt bereits die Landebahn in Sicht; direkt daneben das offene Meer. Kleine Korrekturen, letzte Absprachen zwischen den Piloten, die Schultergurte werden angelegt, dann wird es still – nur die automatische Cockpitstimme zählt die Höhenmeter bis zum Aufsetzen herunter. Als die Räder schließlich aufsetzen, wirken die Bremsen schnell. Immer langsamer wird die A320, bis das Flugzeug schließlich auf der Parkposition steht. Die Passagiere treten in den heißen, griechischen Mittag. Die Crew hat eine Stunde, ehe es mit neuen Passagieren zurück nach Deutschland geht.

„Ich liebe meinen Job, durch die vielen Destinationen ist er jeden Tag anders und jeden Tag spannend“, sagt Feline Mennenga. „Bei der Condor zu arbeiten war deshalb auch immer Traum und Wunsch für mich.“ Trotz ihrer Passion für exotische Orte fliegt sie am liebsten die kurzen und mittellangen Strecken mit Zielen auf den Kanaren oder Griechenland: „Dann bin ich abends wieder zu Hause.“ Bei ihrem Lebensgefährten ist es anders: Als Senior First Officer ist er in einer Boeing 767 auf der Langstrecke unterwegs. Kennengelernt haben die beiden sich übrigens während der Flugschule. Ihr Hafen ist nun die gemeinsame Wohnung in München, von der aus die beiden Piloten buchstäblich in die ganze Welt aufbrechen und in die sie immer wieder zurückkehren.

Eine Ausnahme von ihrer Zuneigung für kürzere Strecken und auch die A320-Familie würde Feline Mennenga schon machen, allerdings dann für die Stadt, die angeblich niemals schläft. „Ich träume davon, New York mal selber anzufliegen“, sagt sie – die Stadt, mit der ihr Traum vom Fliegen einst angefangen hatte.

Sebastian Scholze
September 2015

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