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Flugbegleiterin: Sie sorgt für Sicherheit und Wohlbefinden

Wenn in 10.000 Metern Höhe ein Kind zur Welt kommen würde, wüsste Kay Schönhoff, was zu tun ist. Nein, die große Blondine ist keine Ärztin und auch keine Krankenschwester. Sie ist Flugbegleiterin bei Air Berlin.

In ihrem Kleiderschrank gibt es zwei Lager. Auf der einen Seite hängen T-Shirts, Jeans, Pullover in allen möglichen Farben. Die andere Seite ist durch und durch dunkelblau, durchsetzt nur mit ein paar roten Highlights. Hier hängt die Arbeitskleidung von Kay Schönhoff, Flugbegleiterin bei Air Berlin. Zehn Hemden, zwei Hosen, ein Rock, ein Kleid, eine Strickjacke und zwei Pullis – alles in Dunkelblau. Für den Kontrast sorgt ein rotes Halstuch, das die Flugbegleiterin bei der Arbeit wie ein Matrose um ihre Schultern legt und vor der Brust knotet. Außerdem ein roter Hut: Die Kopfbedeckung trägt die 26-Jährige jedoch nur selten, schließlich steht das nicht jedem, meint Kay Schönhoff lachend. Die letzten Farbkleckse werden kurz vor dem Öffnen der Türen hinzugefügt: Dann zieht die blonde Frau ihre Lippen mit einem roten Stift nach und streift die roten Lederhandschuhe über.

„Herzlich Willkommen an Bord“ begrüßt Kay Schönhoff ihre Passagiere und bietet jedem eine Zeitung an. Doch wer denkt, ihre Arbeit bestehe nur aus Lächeln und Getränke-Servieren, der irrt. „Als Flugbegleiterin bin ich Krankenschwester, Putzfee und Psychologin in einem“, erklärt sie. Zum Beispiel, wenn ein Passagier Flugangst hat. „Die Leute reagieren sehr unterschiedlich. Manche werden aggressiv, manche fangen an zu weinen“, erzählt sie. „Um sie zu beruhigen, erkläre ich ihnen alles.“ Falls das nicht hilft, informiert die Flugbegleiterin das Cockpit. „Dann sagen die Piloten ein paar Worte. Das wirkt immer.“

Auch die Betreuung von allein reisenden Kindern gehört zu den Aufgaben eines Flugbegleiters. Meist nimmt die Crew den „UM“, den „unaccompanied minor“ (unbegleiteter Minderjähriger), wie es korrekt heißt, schon am Gate unter ihre Fittiche. Der kleine Victor fliegt heute zu seinem Vater. Alle Dokumente, die er für seine Reise braucht, trägt er um den Hals in einem Beutel. Kay Schönhoff bittet Victor, ihr zu zeigen, wo im Notfall die Sauerstoffmasken herunter fallen. Dann erklärt sie ihm, wie die Maske richtig aufgesetzt wird. Auch eine Runde Ab- und Anschnallen muss der kleine Mann vorführen. Obwohl er erfahrener Passagier ist, folgt Victor brav allen Anweisungen der freundlichen Flugbegleiterin. Von ihrem Job hält er jedoch nicht so viel. „Immer wenn ich am Flughafen aussteige und in Italien Urlaub machen darf, müssen die Flugbegleiter im Flieger bleiben – das finde ich nicht gut“, sagt der Achtjährige.

Für Kay Schönhoff ist es dennoch ein absoluter Traumberuf. Schon seit der Mittelstufe wollte sie Flugbegleiterin werden - eine „Prinzessin der Lüfte“, wie sie das damals empfunden hat. Nach dem Abitur und einer Ausbildung zur Hotelfachfrau bewarb sich die Berlinerin bei der Fluggesellschaft, die ihre Heimatstadt im Namen trägt. Auf die Zusage folgte eine sechswöchige Schulung. „Wir wurden auf alle möglichen Extremsituationen vorbereitet. Theoretisch kann ich sogar ein Kind entbinden!“, sagt die junge Frau mit dem schneckenförmigen Dutt und den rot lackierten Fingernägeln. Selbst das Abschleppen von Menschen im Wasser hat sie während der Ausbildung trainiert.

Klappe auf, Klappe zu, doppelt verriegeln. In der Bordküche eines Flugzeuges hat alles seinen festen Platz und wird hinter verschlossenen Türen verstaut. Nichts darf wackeln oder gar umherfliegen, wenn geflogen wird. Kay Schönhoff hat diese Handgriffe verinnerlicht, selbst zuhause. Bei ihr steht niemals ein Türchen offen. „Aber heute Morgen habe ich mich dabei ertappt, wie ich eine Schranktüre aufgelassen habe“, lacht sie. Das komme aber nur selten vor, ergänzt sie. Verriegelte Türen sind für Kay Schönhoff so normal wie das Kaffeekochen beim Steigflug.

„Was darf es für Sie sein?“, fragt die Flugbegleiterin lächelnd ihre Gäste. Einen nach dem anderen, mit Engelsgeduld und einem Lächeln auf den geschminkten Lippen. Die Reihenfolge bei der Bedienung der Passagiere ist so unumstößlich wie ihr Trolley: Wer am Fenster sitzt, bekommt sein Getränk zuerst serviert. Kay Schönhoff reicht es an auf der zum Tablett geformten Hand. „Ich freue mich, wenn die Fluggäste in ganzen Sätzen mit mir sprechen und auch mal ‚Bitte’ und ‚Danke’ sagen“, sagt Kay Schönhoff. Einmal hat sie in ihrer Karriere einen Rollentausch erlebt und wurde von Gästen bedient. Angestellte einer Konditorei brachten einen riesigen Karton voller Kuchen mit an Bord und überreichten ihn beim Einsteigen der Crew - um ihnen den Flug zu versüßen.

Doch nicht jedes Lächeln der 1,78-Meter-Frau ist so unschuldig, wie es aussieht. Wenn Kay Schönhoff durch die Kabine läuft, hält sie bei jedem Flug die Augen offen und sucht sich jemanden, der ihr im Notfall unter die Arme greifen könnte. Das ist ein Teil des sogenannten „30 Seconds Review“, bei dem sich jeder Flugbegleiter vor Start und Landung auf die zehn wichtigsten Punkte für den Fall einer Evakuierung besinnt. Und hierzu gehört, sich im Vorfeld einen potentiellen Helfer zu suchen, der beispielsweise dabei helfen könnte, im Notfall die Türen zu öffnen. „Er sollte möglichst stark sein“, sagt Kay Schönhoff. Bislang hat sie jedoch noch nie eine Evakuierung erlebt. Auch ein Kind hat sie noch nicht auf die Welt gebracht.

Dafür hat sie im Lauf ihrer vierjährigen Karriere selbst ein Kind bekommen, ein Patenkind. So heißen neue Kollegen, die von erfahrenen Flugbegleitern wie Kay Schönhoff angeleitet werden und die Welt über den Wolken erklärt bekommen. Am Ende eines jeden Fluges schreibt der Pate eine Beurteilung und entscheidet, ob der Nachwuchs-Steward schon auf eigenen Beinen stehen kann oder nicht.

Kay Schönhoffs Arbeitszeit vergeht im Flug – zumindest auf Kurzstrecken. Kaum hat jeder Passagier etwas zu trinken und zu essen bekommen, muss auch schon wieder abgeräumt und alles verstaut werden. Für den Landeanflug setzt sich die Berlinerin mit dem Rücken zu ihren Gästen auf einen der Jumpseats und legt ihren Gurt an. Kaum hat die Maschine wieder Boden unter den Rädern, bereitet sie sich auf den Schlussakt des Fluges vor: Sie zieht wieder ihre roten Lederhandschuhe an, rückt ihren blonden Dutt zurecht und schenkt jedem Passagier zum Abschied nicht nur ein Lächeln, sondern auch ein Herz – zwar nicht ihr eigenes, aber dafür eins aus Schokolade. Wer will, darf auch zwei nehmen.

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