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Was bringt die Abschaffung der Luftverkehrsteuer?

Es ist immer wieder gesagt worden, dass die 2011 eingeführte Luftverkehrsteuer die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Fluggesellschaften und Flughäfen schwächt und Zukunftsinvestitionen der deutschen Unternehmen hemmt. Was aber brächte es, wenn die Politik die deutsche Luftverkehrsteuer nach dem Vorbild der Niederlande abschafft oder nach dem Vorbild von Österreich zumindest halbiert? Aufschluss dazu gibt eine aktuelle Studie von PricewaterhouseCoopers.

PricewaterhouseCoopers (PwC) hat untersucht, wie sich ein Abbau der deutschen Luftverkehrsteuer (zurzeit beträgt das Steueraufkommen ca.1 Mrd. Euro pro Jahr) auf Kerngrößen der volkswirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland auswirken würde.

Dafür haben die PwC-Experten mithilfe der Methode eines Allgemeinen Gleichgewichts-modells simuliert, wie sich Arbeitsplätze und Bruttoinlandsprodukt entwickeln würden, wenn die Luftverkehrsteuer komplett abgeschafft wird (Szenario 1) und wenn sie halbiert wird (Szenario 2).

Würde die Politik die Steuer nach dem Vorbild der Niederlande komplett abschaffen, würden schon in den ersten zwei Jahren nach der Abschaffung 12.300 neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Bis 2030 würde diese Zahl auf insgesamt 26.000 ansteigen.

Auch die Auswirkungen auf die Wertschöpfung wären gewaltig: Das deutsche Bruttoinlandsprodukt (BIP) wäre schon im Jahr 2020 mehr als 4 Mrd. Euro höher als bei einem Fortbestand der Steuer. Im Jahr 2030 läge das BIP sogar 6,9 Mrd. Euro über dem Status-quo-Szenario.

Kumuliert für den gesamten Zeitraum bis 2030 heißt das: Sollte die Luftverkehrsteuer nicht abgeschafft werden, sondern unverändert fortbestehen, entgehen der deutschen Volkswirtschaft bis 2030 eine Wertschöpfung von insgesamt 67,4 Mrd. Euro sowie Beschäftigungschancen für 26.000 Frauen und Männer.

Würde die Politik die Steuer nicht abschaffen, aber nach dem Vorbild Österreichs zumindest halbieren, dann würden bis 2030 immerhin 13.000 neue Arbeitsplätze in Deutschland entstehen. Das kumulierte BIP 2018 bis 2030 wäre in diesem Szenario um 34,0 Mrd. Euro größer.

Positive Effekte in vielen Wirtschaftsbereichen

Die prognostizierten Beschäftigungs und Wertschöpfungseffekte berücksichtigen nicht nur die Entwicklung im Luftverkehr, sondern beziehen sich auf die Entwicklung der gesamten deutschen Volkswirtschaft. Sie beinhalten also auch Beschäftigung und Wertschöpfung bei Zulieferbetrieben und bei Firmen, die von den Konsumausgaben durch die in der Luftfahrt Beschäftigten profitieren, sowie positive Auswirkungen im Tourismus und bei unseren Industrieunternehmen.

Eine Abschaffung der Luftverkehrsteuer würde zum einen die Wettbewerbsverzerrung zulasten der deutschen Luftverkehrsunternehmen reduzieren und die Investitionskraft der deutschen Fluggesellschaften und Flughäfen stärken. Zum anderen würde die Abschaffung der Steuer auch die Nachfrage ankurbeln. So würde die Wertschöpfung in der Luft-verkehrswirtschaft laut PwC-Analyse allein im Jahr 2030 um 3,5 Mrd. Euro höher sein als in dem Fall, dass die Steuer unverändert beibehalten wird. Das entspricht einer Steigerung um 3,3 Prozent allein für das Jahr 2030.

Aber auch andere Wirtschaftsbereiche profitieren – wie etwa der Handel und die Industrie. Besonders positive Effekte hätte der Abbau der Luftverkehrsteuer auf den deutschen Tourismus. Denn die PwC-Experten haben errechnet, dass die Nachfrage für Reisen nach Deutschland durch die Abschaffung der Steuer deutlich steigen würde. Dies würde alleine im Zeitraum von 2018 bis 2020 insgesamt 10,5 Mio. zusätzliche Touristen ins Land bringen, die hier ihr Geld ausgeben – zum Beispiel für Hotels und Restaurants. Die zusätzlichen Ausgaben dieser Touristen in diesem Zeitraum beziffert PwC auf 1,58 Mrd. Euro.

Positive Folgen für den Bundeshaushalt

Mit Blick auf die Staatsfinanzen erscheint die Abschaffung der Luftverkehrsteuer auf den ersten Blick als Verzicht auf eine Einnahmequelle und somit als ein Minusgeschäft für den Bundeshaushalt. Doch diese Sichtweise greift zu kurz.

Denn den Einnahmeausfällen aus der Abschaffung der Luftverkehrsteuer würden erhebliche Mehreinnahmen an anderer Stelle entgegenstehen:Die entstehende Dynamik im deutschen Luftverkehrsmarkt würde zu einem deutlichen Anstieg bei anderen Steuern und Abgaben führen, also etwa bei der Einkommenssteuer, bei der Mehrwertsteuer und bei den Sozialversicherungsbeiträgen. Die Analysen von PwC zeigen, dass die Mehreinnahmen aus diesen Steuern im Jahr 2020 etwa 1,29 Mrd. Euro betragen und somit die Kosten der Abschaffung der Luftverkehrsteuer von 1,19 Mrd. Euro um den Faktor 1,08 übersteigen würden.

Anders ausgedrückt: Für jeden Euro Luftverkehrsteuer, auf den der Staat verzichtet, nimmt er durch andere Steuern 1,08 Euro ein. Die Abschaffung der Steuer würde sich also selbst finanzieren.

Dieser Effekt, also die Refinanzierung von Einnahmeausfälle bei der Luftverkehrsteuer durch Mehreinnahmen bei anderen Steuerarten, zeigt sich in einem vergleichbaren Größen-verhältnis auch im Szenario einer Halbierung der Luftverkehrsteuer.

Die Abschaffung der Luftverkehrsteuer würde also nicht nur die Wettbewerbsverzerrung zulasten deutscher Unternehmen deutlich reduzieren und die Investitionskraft der Unternehmen stärken, sondern würde so viel wirtschaftliche Dynamik entfalten, dass die gesamte deutsche Wirtschaft und sogar der Bundeshaushalt unter dem Strich davon profitieren.