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Branchengespräch Luftfracht 2018

Beim fünften „Branchengespräch Luftfracht“ von BDL, BDI und DSLV ging es um die aktuellen Herausforderungen der Luftfrachtlogistik entlang der gesamten Logistikkette. Inhaltliche Schwerpunkte waren die Digitalisierung in der Luftfrachtlogistik sowie die Entbürokratisierung von Prozessen, etwa bei der Luftfrachtsicherheit und bei der Einfuhrumsatzsteuer.

Steffen Bilger MdB, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur, unterstrich in seiner Keynote, dass Luftfracht nicht nur im globalen Kontext eine tragende Rolle spielt, sondern auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland von großer Bedeutung ist. Damit der Sektor seine wirtschaftliche Wirkung entfalten und wettbewerbsfähig bleiben kann, seien eng verzahnte Logistikketten und faire Rahmenbedingungen ebenso notwendig wie ein regelmäßiger Dialog zwischen allen Beteiligten: „Luftfracht ist für den Wirtschaftsstandort Deutschland von großer Bedeutung. Wir werden daher sorgfältig prüfen, in welcher Weise sie im Innovationsprogramm Logistik 2030 Berücksichtigung finden kann“.

Steffen Bilger

Steffen Bilger, Parlamentarischer Staatssekretär beim Bundesminister für Verkehr und digitale Infrastruktur

Impulsvorträge entlang der Logistikkette

Günter Wachsmann von der BMW AG hob die Bedeutung von Luftfracht für die Wettbewerbsfähigkeit deutscher Unternehmen hervor: „Wir benötigen die Luftfracht, um unsere Kunden schnell und effizient zu beliefern“. Luftfracht lasse sich jedoch nur dann schnell und kundenorientiert nutzen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen.

DSLV-Vertreter Henning Dieter forderte einheitliche, durchgängige Prozesse für die Luftfracht, gerade an den Schnittstellen zum Zoll und zu anderen Behörden. „Wir unterstützen hohe Sicherheitsstandards, aber keine Sicherheitsbürokratie“ so Dieter.

Peter Gerber, CEO der Lufthansa Cargo AG, betonte die Rolle von Luftfracht als „Herzstück einer globalisierten Welt“. Aufgrund ihrer Schnelligkeit sei Luftfracht systemrelevant für bestimmte Güter wie etwa Technologie- und Pharmaprodukte. Trotz der Kapazitätsprobleme zeigte sich Gerber optimistisch: „Wie zukunftsfähig die Luftfrachtlogistik in Deutschland ist? Der grenzüberschreitende Online-Handel boomt und stellt uns vor neue Herausforderungen. Airlines, Spediteure, Zoll- und Sicherheitsbehörden müssen gemeinsam neue Lösungen entwickeln“.

Anke Giesen von der Fraport AG ging insbesondere auf die Bedeutung der Digitalisierung ein. Man müsse klar identifizieren, wo Digitalisierung komplexe Prozesse beschleunigen und vereinfachen kann. Prozessverbesserungen seien zudem nur mit Hilfe aller Systempartner zu realisieren, weshalb der Dialog zwischen Unternehmen und Behörden dringend notwendig sei. „Unsere Kunden müssen sich darauf verlassen können, dass Waren schnell, zuverlässig und sicher abgefertigt werden. Dazu wollen wir mit den Beteiligten folgende Schwerpunkte setzen: Digitalisierung, Automatisierung, Kollaboration und Personal.“

Rede Anke Giesen

Anke Giesen, Vorstand Operations, Fraport AG

Podiumsgespräch

Im anschließenden Podiumsgespräch diskutierten Branchenvertreter und hochkarätige Vertreter aus dem Luftfahrt-Bundesamt und dem Bundesfinanzministerium darüber, wie die Rahmenbedingungen am Standort Deutschland weiterentwickelt werden müssen. Erfolgskritisch dafür sei vor allem der Abbau regulatorischer Hürden. Denn globale Warenströme würden sich aufgrund der internationalen Angebotsvielfalt flexibel den Weg der geringsten regulatorischen Hürden suchen. Als Beispiele nannten Podiumsteilnehmer einseitige nationale Maßnahmen in den Bereichen Security, Steuern und Zoll sowie bei den Betriebszeiten der Flughäfen. Derartige Alleingänge würden den Kosten- und Zeitaufwand erhöhen und die Attraktivität des Luftfrachtstandorts Deutschland im internationalen Vergleich schmälern.

Weltcafe

v.l.n.r. Johannes Jähn, Mitteldeutsche Flughäfen; Michael Hoppe, BARIG; Colette Hercher, BMF; Jörg Mendel, LBA; Matthias von Randow, BDL; Holger Lösch, BDI und Henning Dieter, DSLV

Volkswirtschaftliche Bedeutung der Luftfracht

BDL, BDI und DSLV legten zum Branchengespräch eine aktuelle Analyse zur volkswirtschaftlichen Bedeutung der Luftfracht vor. Demnach transportierten Fracht- und Passagierflugzeuge im Jahr 2017 Waren im Wert von 260 Milliarden Euro. Im Außenhandel mit Übersee machte der Export mit dem Flugzeug gemessen am Warenwert 31 Prozent aus. Die Nachfrage nach Transportleistungen per Luftfracht gewinnt zunehmend an Bedeutung. So ist das wertmäßige Luftfrachtvolumen seit 2007 mit 60 Prozent doppelt so schnell gewachsen wie das Frachtvolumen der anderen Verkehrsträger. Unternehmen und  Spediteure versenden mit dem Flugzeug vor allem hochwertige Waren, zum Beispiel High-Tech-Produkte, pharmazeutische Erzeugnisse, Maschinen und Fahrzeugteile. Dies zeigt sich auch im durchschnittlichen Warenwert pro Tonne, der bei der Luftfracht im Jahr 2017 bei rund 86.000 Euro lag – und damit 62-mal höher als etwa beim Schienengüterverkehr.

Gruppenbild Branchengespräch Luftfracht

v.l.n.r. Matthias von Randow, BDL; Johannes Jähn, Mitteldeutsche Flughäfen; Anke Giesen, Fraport; Peter Gerber, Lufthansa Cargo; Günter Wachsmann, BMW; Michael Hoppe, BARIG; Holger Lösch, BDI; Jörg Mendel, LBA; Colette Hercher, BMF und Henning Dieter, DSLV