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Siedlungsplanung

Siedlungsplanung und -steuerung als wichtige Maßnahmen zum Lärmschutz

Für eine langfristige, gesellschaftlich weiterhin breit akzeptierte Entwicklung des Luftverkehrs sind die bedarfsgerechte Bereitstellung und die effiziente Nutzung der Kapazitäten einer­seits und Maßnahmen zur Reduzierung der Lärmauswirkungen des Luftverkehrs andererseits notwendig. Im Hinblick auf Maßnahmen zur Lärmreduzierung hat die Internationale Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) mit dem „Balanced Approach“ bindende Leitlinien für ausgewogene Entscheidungen bei der Lösung von Lärmproblemen in der Umgebung von Flughäfen geschaffen und ein entsprechendes Handlungsinstrumentarium mit insgesamt vier Maßnahmenbündeln zur Verfügung gestellt.

Als eines der vier Maßnahmenbündel zur Lösung von Lärmkonflikten sieht der „Balanced Approach“ der ICAO die optimale Flächennutzungsplanung und -verwaltung im Flughafenumland vor. Während sich die anderen drei Maßnahmenbündel des „Balanced Approach“ – dies gilt für die Lärmreduzierung an der Quelle, die lärmmindernden Betriebsverfahren sowie die lärmbedingten Betriebsbeschränkungen – an die Luftverkehrswirtschaft richten, sind für die Flächennutzungsplanung und -verwaltung im Flughafenumland hauptsächlich die Kommunen und die Länder zuständig. Sie sind demnach dazu verpflichtet, durch eine verantwortungsbewusste Siedlungspolitik und eine optimale Siedlungsplanung und -steuerung im Flughafenumfeld zur Lösung von Lärmkonflikten beizutragen.

Die Praxis: Weithin ungesteuerte Siedlungsflächenentwicklung im Flughafenumfeld

Die Praxis zeigt jedoch: Nicht alle Kommunen und Länder werden dieser Verantwortung in hinreichendem Maße gerecht. Schon seit längerem lässt sich an einigen Flughafen-standorten beobachten, dass die Bebauung immer näher an die Flughäfen heranrückt, indem vor allem Baulücken geschlossen und bestehende Siedlungen im Umfeld der Flughäfen nachverdichtet und arrondiert, teilweise aber auch vollkommen neue Siedlungsbereiche ausgewiesen werden. Durch eine ungesteuerte Siedlungsflächen-entwicklung im Flughafenumfeld erhöht sich jedoch die Zahl der dort lebenden Menschen – und damit auch die Zahl der Fluglärmbetroffenen.

Aktuelle Studie bestätigt: Siedlungen rücken näher an Flughäfen heran – und konterkarieren damit Maßnahmen zum Lärmschutz

Eine aktuelle Studie der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn und der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen zur Siedlungsflächenentwicklung im Flughafenumfeld bestätigt diese Beobachtung. Die Studie enthält eine Langzeitanalyse der tatsächlichen Siedlungsflächenentwicklung im Umfeld der sechs Flughäfen Frankfurt, München, Düsseldorf, Hamburg, Köln/Bonn und Hannover über die vergangenen etwa fünf Jahrzehnte hinweg. Die Gutachter kommen in ihrer wissenschaftlichen Untersuchung auf der Grundlage einer Auswertung von umfangreichem Kartenmaterial zu dem Schluss, dass „im Umfeld aller sechs Flughäfen […] in den vergangenen fünf Jahrzehnten eine intensive Siedlungsflächenentwicklung stattgefunden [hat]“. Insbesondere seien in den Umlandgemeinden „in erheblichem Ausmaß Nachverdichtungen, Lückenschließungen und deutliche Arrondierungen vorhandener Siedlungskerne, zum Teil aber auch großflächige neue Siedlungsbereiche jenseits der bestehenden Bebauung zu beobachten.“ Die Gutachter konstatieren angesichts dieser problematischen Entwicklung erheblichen Handlungsbedarf und legen dazu auch eine Reihe von Handlungsempfehlungen für eine zukünftige Optimierung der Flächennutzungsplanung im Flughafenumland vor.

Effektivere Siedlungssteuerung im Interesse des Lärmschutzes notwendig

Die an einer Reihe von Flughafenstandorten bislang praktizierte und weithin ungesteuerte Siedlungsflächenentwicklung ist mit Blick auf die angestrebte weitere Verbesserung des Fluglärmschutzes aus Sicht der deutschen Luftverkehrswirtschaft außerordentlich problematisch. Denn dadurch werden die vielfachen Anstrengungen und Maßnahmen der Luftverkehrswirtschaft für den Lärmschutz konterkariert, da die Zahl der Fluglärmbetroffenen immer weiter ansteigt. Hier bedarf es zukünftig einer effektiveren Steuerung der Siedlungsflächenentwicklung mit dem Ziel einer klaren Begrenzung der Zahl der Fluglärmbetroffenen. Zuständig und verantwortlich dafür sind in erster Linie die Kommunen und die Länder.

Link zur Studie