Was tut die Luftfahrt für Pünktlichkeit und Verlässlichkeit?

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Leiter Flugbetrieb, Technik & Safety
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Carola Scheffler
Pressesprecherin, Leiterin Pressearbeit und Veranstaltungsmanagement
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Mit mehreren Monaten Vorlauf feilen die Fluggesellschaften an den neuen Flugplänen. Dabei stimmen sie sich mit den Flughäfen und der Flugsicherung ab und berücksichtigen die vorhandenen Kapazitäten, um Engpässe zu vermeiden und einen möglichst stabilen Flugplan aufzustellen. Zudem werden die Flughafenkoordinatoren der einzelnen Staaten einbezogen, die dann die sogenannten Slots (Zeitfenster für das Starten und Landen eines bestimmten Flugzeuges an einem Flughafen) vergeben, und so sicherstellen, dass es im Planungsszenario zu keinen Kapazitätsengpässen kommt.

Die Luftverkehrswirtschaft hat ein eigenes Interesse an einem regelmäßigen und pünktlichen Flugbetrieb

Zuverlässigkeit und vor allem. die Pünktlichkeit sind für Kunden entscheidende Kriterien bei der Auswahl des Verkehrsträgers. Schon deswegen haben die Unternehmen des Luftverkehrs ein großes Interesse an einem verlässlichen und pünktlichen Flugbetrieb. Darüber hinaus haben Unregelmäßigkeiten oder Verspätungen im Luftverkehr erhebliche Folgewirkungen auf die weitere Abwicklung des Tagesflugplanes und auf das gesamte Netzwerk. Sie führen gegebenenfalls zu Folgeverspätungen für weitere Flüge des entsprechenden Flugzeugs, die sich über den Tag immer weiter aufbauen und im schlimmsten Fall sogar auf den Start des Flugbetriebs am nächsten Tag auswirken können.

Im täglichen Betrieb kann es dennoch zu Verspätungen kommen

Trotz guter Planung gibt es im täglichen Betrieb Einflussfaktoren, die sich auf den tatsächlichen Tagesbetrieb auswirken können: Hierbei kann es sich um externe, nicht beeinflussbare Faktoren handeln wie Extremwetterereignisse mit Gewittern oder Streiks, aber auch um organisatorische oder technische Probleme, also beispielsweise technische Probleme bei einem Flugzeug oder (krankheitsbedingte) Personalausfälle. Dies bedeutet in der Praxis, dass es während des täglichen Betriebs zu Abweichungen vom Plan kommen kann.

Erscheinen beispielsweise Fluggäste, die bereits eingecheckt sind, nicht rechtzeitig oder gar nicht am Gate, muss deren Gepäck aus Sicherheitsgründen wieder ausgeladen werden, was zu weiteren Verspätungen führen kann. Vereinzelte Extremsituationen wie Gewitter oder Starkwinde im An- und Abflugbereich erfordern, dass die Flugzeuge mit größerem Abstand fliegen müssen und reduzieren somit die Kapazitäten im Luftraum.

Kaum beeinflussbar von den Unternehmen sind die so genannten Folgeverspätungen. Diese kommen zu Stande, wenn ein Flugzeug erst verspätetet abflugbereit ist und dann dadurch das zugeteilte Abflugzeitfenster nicht einhalten kann. In der Konsequenz muss der Flug von der Flugsicherung wieder neu in den laufenden Verkehr eingeordnet werden. Dies bedeutet, dass jede einfache Verspätung gegebenenfalls eine größere Folgeverspätung nach sich ziehen und damit die gesamte Tagesrotation nicht mehr plangemäß geflogen werden kann.

Verspätungshäufungen 2018

Im Jahr 2018 kamen mehrere Ursachen für Verspätungen zusammen, die sich teilweise gegenseitig verstärkten. Zum einen waren das Sonderfaktoren wie die Fluglotsenstreiks in Europa und deutlich mehr Gewitter in der ersten Jahreshälfte, als sonst saisonal normal. Und auch die Air Berlin-Insolvenz war ein kritischer Sonderfaktor. Die Unternehmen, die Flugzeuge und Crews der insolventen Air Berlin übernommen haben, hatten große Integrationsaufgaben zu stemmen, Und sie haben früh darauf hingewiesen, dass das schwierig wird und Zeit braucht.

Aber es gibt auch strukturelle Kapazitätsengpässe, die überwunden werden müssen. Das sind zum einen die Kapazitätsengpässe bei der Flugsicherung in Europa. Und es sind in Deutschland die Effizienzdefizite bei den staatlichen Luftsicherheitskontrollen und die Personalengpässe bei den Grenzkontrollen.

Kontinuierliche Optimierung, um Verspätungen gering zu halten

Lange Warteschlangen bei den Sicherheitskontrollen, zunehmende Verspätungen und Flugausfälle entsprechen nicht dem Qualitätsanspruch der Luftverkehrswirtschaft. Um den Flugplan zu stabilisieren, verstärken die Luftfahrtunternehmen ihr Personal, halten Reservemaschinen und Stand-by Crews bereit oder setzen längere Blockzeiten mit ausreichenden Zeitpuffern an. Zudem werden kontinuierlich die Prozesse am Boden (auf dem Vorfeld und im Terminal) und auch die Luftraumnutzung optimiert. Zeitkritische und verspätete Flüge werden, wenn möglich, mit Priorität abgefertigt.

Außerdem hat die DFS gemeinsam mit ihren europäischen Partnern im Mai 2018 damit begonnen, Verkehrsknotenpunkte zu entzerren und den besonders stark frequentierten oberen Luftraum zu entlasten. Dies geschieht vor allem dadurch, dass Flüge in niedrigere, weniger frequentierte Flugflächen verlagert werden.

Damit die Kapazitätsengpässe beseitigt werden können, bedarf es großer Anstrengungen auf allen Seiten. Aber auf einigen relevanten Feldern sind uns die Hände gebunden und müssen andere verantwortliche Stellen ihrerseits etwas bewegen. Dazu gehört:

  • Die Kapazität des Luftraums muss erhöht werden: Hierzu bedarf es auch verstärkter Initiative der EU und ihrer Mitgliedstaaten zur Überwindung der zersplitterten Organisation der Flugsicherung in Europa und der nicht überall erfolgten zivil-militärischen Integration.
  • Die Effizienz bei der Abwicklung der Luftsicherheitskontrollen muss verbessert werden: Hierzu muss zügig die Absichtserklärung der Koalition, die Prozesse effizienter zu gestalten und einen Teil der steigenden Kosten zu übernehmen, umgesetzt werden.
  • Die Warteschlangen an den Grenzkontrollen müssen abgebaut werden: Dazu bedarf es der Bereitstellung zusätzlichen Personals der Bundespolizei.