Luftqualität an Bord

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Marian Kortas
Leiter Flugbetrieb, Technik & Safety
+49 30 520077-170 marian.kortas@bdl.aero
Ivo Rzegotta
Leiter Strategie und Kommunikation
+49 30 520077-165 ivo.rzegotta@bdl.aero

In 12.000 Metern Reiseflughöhe wird es ungemütlich – jedenfalls außerhalb des Flugzeugs: Es herrschen minus 50 Grad Außentemperatur und ein massiver Druckunterschied zur Erde, der dazu führt, dass kaum noch Luft und damit Sauerstoff vorhanden ist. Die Piloten und Passagiere an Bord spüren davon jedoch nichts, denn sie sind durch die Flugzeugkabine bestens geschützt.

So funktioniert die Frischluftzufuhr im Flugzeug

An Bord eines Flugzeugs sorgen zwei bis drei unabhängig voneinander betriebene Klimasysteme für optimale Bedingungen: Sie regeln die Temperatur, pumpen den fehlenden Druck ins Flugzeug und versorgen die Kabine ständig mit frischer Luft. Die verbrauchte Luft wird zugleich abgesaugt.

Die Zufuhr von Luft an Bord ist sehr komplex: In der Regel wird dafür die Außenluft vom Triebwerk angesaugt, das mit über 12.000 Umdrehungen in der Minute läuft. Die Luft wird darin stark komprimiert und vor der Verbrennung abgezapft. Diese sogenannte Zapfluft wird dann durch die Klimaanlage ins Flugzeug befördert. Spezielle Filter bereiten zudem die an Bord verbrauchte Luft neu auf, damit sie wiederverwertet werden kann. Auf diese Weise zirkulieren rund 50 Prozent der Kabinenluft. Die speziell dafür eingesetzten hochwirksamen Filter – sogenannte HEPA-Filter oder auch Hochleistungs-Partikelfilter – säubern die Kabinenluft von Bakterien, Viren, Pollen und Staub. Die auf diese Weise gefilterte Kabinenluft ist sauberer als die Luft in jedem Wohn- oder Geschäftsgebäude.

Darüber hinaus laufen bei den BDL-Mitglieds-Airlines und weiteren Fluggesellschaften derzeit Testreihen für eine Erweiterung mit HEPA-Carbon-Filtern. Diese neu entwickelten Filter sind zusätzlich mit einem Aktivkohlefilter versehen. Dieser filtert auch Geruchsstoffe sowie flüchtige organische Verbindungen (zum Beispiel Verbrennungsrückstände von Kerosin, Öl oder Enteisung).

Damit die hohe Qualität der Kabinenluft konstant gewahrt bleibt, werden Triebwerke, Klimasysteme und Filter regelmäßig überprüft und gewartet.

Wie wird die Qualität der Kabinenluft gesichert?

Dennoch ist rund um das Thema Kabinenluftqualität in den vergangenen Jahren immer wieder die Frage aufgekommen, ob zum Beispiel durch das Eindringen verbrannter Ölrückstände oder anderer Schadstoffe in die Kabinenluft die Gesundheit der Passagiere und Crews sowie die Flugsicherheit gefährdet sein könnten. Den Fluggesellschaften ist es deswegen ein besonderes Anliegen, zu erfahren, ob es belastbare Erkenntnisse aus wissenschaftlichen Untersuchungen gibt, die diese Aussagen bestätigen und ob damit ein Problem besteht, das Veränderungen im Flugbetrieb oder aber bei Bau und Wartung von Flugzeugen erforderlich macht.

Zur Gewährleistung eines sicheren Flugbetriebs gibt es in der Luftfahrt verbindlich geregelte Vorschriften, Aufgaben und Zuständigkeiten für die beteiligten Unternehmen und Aufsichtsbehörden. Die Aufgabe der Fluggesellschaften ist es, für einen ordnungsgemäßen und sicheren Betrieb der Flugzeuge zu sorgen und alle Regelungen zur Wartung und Instandhaltung strikt zu befolgen. Der BDL steht darüber hinaus im Dialog mit Flugzeugbauern, Triebwerksherstellern und Produzenten von Ölen, Sensoren und Filtern, um auch in Zukunft gemeinsam alle Gefährdungspotentiale für Kabinenluft auszuschließen.

Aktives Meldewesen

Jeder Vorfall, bei dem merkwürdige Gerüche an Bord auftreten, wird untersucht. Dazu gehört ein konsequentes Meldewesen. Die Piloten und Flugbegleiter melden solche Vorfälle nicht nur ihren Fluggesellschaften, sondern entsprechend der gesetzlichen Berichtsauflagen auch der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU). Der BDL unterstützt dieses Meldewesen aktiv durch regelmäßige Gespräche mit den Unternehmen und mit den Gewerkschaften der Piloten und Flugbegleiter, der Vereinigung Cockpit (VC), der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO) und der Vereinten Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi). Gemeinsam arbeiten die Fluggesellschaften und ihre Crews daran, dass die Luft im Flugzeug so ständig überwacht wird.

Um sicher zu gehen, dass beim Auftreten von nicht identifizierbaren Gerüchen an Bord keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen entstehen, haben die deutschen Fluggesellschaften, Vertreter der Cockpit- und Kabinenbesatzung, die Berufsgenossenschaft Verkehr sowie Mediziner und Wissenschaftler ein medizinisches Untersuchungsverfahren entwickelt. Das damit verbundene standardisierte Erfassen medizinischer Daten ermöglicht der Berufsgenossenschaft Verkehr, mögliche Zusammenhänge zu erkennen, auszuwerten und medizinische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) verfolgt alle Meldungen über die Qualität der Kabinenluft genau. In einer sorgfältigen dreijährigen Untersuchung ist sie dabei 2012 zu dem Schluss gekommen, dass die Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen sicher ist. Dies wurde durch zwei Studien erneut belegt: Die zwischen 2015 und 2017 durchgeführten und von der EASA initiierten, unabhängigen Studien zu Kabinenluftluftmessungen während des Fluges bzw. zur Toxizität pyrolysierter Triebwerksöle bestätigten frühere Bewertungen der Behörde. Auf keinem Flug wurden Schadstoffgrenzen überschritten oder Stoffe in gesundheitsschädlichen Größenordnungen festgestellt.

Die Studien bestätigen damit Tests der Kabinenluft, die zuvor von der Luftverkehrswirtschaft beauftragt wurden und stets das gleiche Ergebnis zeigten: Die Kabinenluft in den Flugzeugen ist sicher für die Gesundheit der Passagiere und Crews. Der BDL begrüßt, dass im Interesse der Öffentlichkeit, der Fluggäste, der Fluggesellschaften, Branchenverbände und der Industrie die EU-Kommission die Studien der EASA fortführt.

Gemeinsam will die deutsche Luftfahrt auch in Zukunft dafür sorgen, dass das Fliegen für unsere Passagiere und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher ist.