Intermodalität: Sichere und komfortable Verbindungen sind entscheidend für eine attraktive Vernetzung

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Aktionsplan für Zusammenarbeit und mehr Klimaschutz
Aktionsplan für ein verbessertes Zusammenwirken von Luftverkehr und Deutscher Bahn
Luftfahrt aktuell 2 | 2018: Wofür braucht es innerdeutschen Luftverkehr?
Das Luftfahrt aktuell 2 | 2018 beschäftigt sich mit dem Thema, wofür es innerdeutschen Luftverkehr braucht.
Luftfahrt aktuell 6 | 2019: Ist Fliegen eigentlich billiger als Bahnfahren?
Das Luftfahrt aktuell 2 | 2019 beschäftigt sich mit dem Thema, ob der Luftverkehr in diesem Jahr pünktlicher wird.

Warum gibt es überhaupt innerdeutschen Luftverkehr?

Inlandsflüge erfüllen zwei wichtige Funktionen im Luftverkehrssystem: Sie verbinden Städte und Regionen auf langen Strecken schneller als Bahn, Bus oder Pkw, das ist der sogenannte Lokalverkehr. Und sie bringen Passagiere auf kurzen Strecken zu ihren internationalen Anschlussflügen an den großen Drehkreuzflughäfen.

Innerdeutscher Luftverkehr findet vorwiegend auf langen Strecken statt: 97 Prozent der Fluggäste nutzen das Flugzeug im Lokalverkehr für Bodendistanzen von mehr als 400 Kilometern und für Strecken, die mit der Bahn länger als drei bis vier Stunden dauern würden. Diese Verbindungen spielen vor allem im Geschäftsreiseverkehr eine wichtige Rolle. Denn nur das Flugzeug ermöglicht auf diesen Strecken die An- und Abreise innerhalb eines Arbeitstages.

Rund ein Drittel der Passagiere auf Inlandsflügen sind sogenannte Umsteiger: Sie steigen an den Drehkreuzen Frankfurt und München auf einen internationalen Flug um. Ein großer Teil des internationalen Luftverkehrs wird über diese Drehkreuze abgewickelt. Fluggesellschaften bündeln hierdurch an großen Flughäfen Passagierströme für die Langstrecke und für den Europaverkehr. Dies ist sowohl ökologisch als auch ökonomisch sinnvoll, denn so werden Langstrecken-Flugzeuge optimal ausgelastet und auch periphere Regionen an das internationale Verkehrsnetz angebunden.

In diesem System spielen innerdeutsche Flugverbindungen eine wichtige Rolle als Zubringer. Viele Passagiere auf innerdeutschen Flügen sind also gar keine innerdeutschen Passagiere im eigentlichen Sinne, sondern treten ihren innerdeutschen Flug als Teil eines internationalen Fluges an und steigen dann am Drehkreuzflughafen um.

An folgendem Beispiel lässt sich die Systematik von Drehkreuzen und Zubringern erklären:

  • Im Jahr 2019 flogen ca. 61.000 Passagiere von Nürnberg nach München. Davon hatten lediglich rund 1.500 Passagiere in München ihr Endziel erreicht, mehr als 97 Prozent stiegen zu Zielen weltweit um. Die sehr kurzen Verbindungen zu den Drehkreuzen, wie beispielsweise Stuttgart – Frankfurt oder Nürnberg – München machen aber nur einen sehr kleinen Anteil der innerdeutschen Flüge aus.

 

Schon seit längerem gibt es unterschiedliche Konzepte, um auch auf anderen Verkehrswegen zum Langstreckenflug zu gelangen. Auf manchen Strecken kann die Rolle von Inlandsflügen als Zubringer für den Langstreckenverkehr auch von Bahnen oder Fernbussen übernommen werden. So existieren heute beispielsweise keine Linienflüge mehr zwischen Köln und Frankfurt. Auch von Nürnberg, Düsseldorf und Stuttgart aus gibt es inzwischen parallel zu den Flugverbindungen Angebote der Zubringung mit dem Zug zum Drehkreuzflughafen Frankfurt.

Durch eine gute Vernetzung der Verkehrsträger könnte ein Sechstel der Emissionen im innerdeutschen Luftverkehr entfallen

Die Luftverkehrswirtschaft und die Deutsche Bahn (DB) haben einen gemeinsamen Aktionsplan zur Stärkung der Intermodalität und zu einer verstärkten Nutzung des Schienenverkehrs verabschiedet. Die Verkehrsträger sollen dabei so vernetzt werden, dass ihre jeweiligen verkehrlichen, ökonomischen und ökologischen Vorteile optimal genutzt werden können.

Die Erfahrung zeigt: Die Passagiere wählen immer dann verstärkt die Schiene, wenn eine attraktive Infrastrukturanbindung zwischen den Metropolen vorhanden ist, ein dichtes Schienenverkehrsangebot besteht und die Reisezeit auf der Schiene nicht wesentlich mehr als drei Stunden in Anspruch nimmt.

Drei Punkte stehen deshalb im Fokus des Aktionsplans:

  1. Wachsendes Angebot an Zubringerzügen zu internationalen Flügen:
    Durch den Ausbau von Verbindungen auf der Schiene zu den Drehkreuzflughäfen sollen im internationalen Umsteigeverkehr mehr Passagiere für die Anreise mit der Bahn gewonnen werden. Dort, wo die Passagiere das Angebot annehmen und vermehrt auf die Schiene umsteigen, kann die Luftverkehrswirtschaft folgerichtig Flugfrequenzen reduzieren und auch Verbindungen einstellen, wie zuletzt auf der Strecke Berlin-Nürnberg.
  2. Leichteres Umsteigen zwischen Flug und Zug:
    Der Umstieg am Flughafen zwischen dem Zug und dem Sicherheitsbereich des Flughafens soll für intermodale Kundinnen und Kunden verbessert werden. Dabei soll auch die Gepäckhandhabung einfacher werden. Eine optimierte Wegeführung und Beschilderung werden Reisenden den Umstieg zwischen Flieger und Bahn einfacher machen.
  3. Schnellere Zugverbindungen zwischen Metropolen:
    Häufigere und schnellere Schienenangebote zwischen den Metropolen ermöglichen den Reisenden den vermehrten Umstieg auf die Schiene. Auf der Schiene wird dazu ein hochfrequentes Fernverkehrsnetz mit bis zu zwei Zügen pro Stunde zwischen den Metropolen aufgebaut. Auch die Umsteigebeziehungen mit dem Nahverkehr werden weiter verbessert.

Mit der Umsetzung der drei Maßnahmenpakete lässt sich das gesamte Verkehrssystem deutlich kundenfreundlicher gestalten – dann bilden intermodale Verkehrskonzepte eine gute Alternative zu manch einer innerdeutschen Flugstrecke. Durch das Zusammenspiel von Luft- und Schienenverkehr ließen sich CO2-Emissionen einsparen und die Passagiere haben eine größere Flexibilität bei der Wahl ihres Verkehrsmittels und bei der Planung ihrer Reise.

Bei optimaler Umsetzung würden etwa 4,3 Mio. Passagiere, also rund 18 Prozent, vom Flugzeug auf die Bahn umsteigen (auf Basis des Passagieraufkommens von 23,9 Mio. Passagieren im Jahr 2019). Damit würde sich der Anteil des innerdeutschen Luftverkehrs an den CO2-Emissionen um ca. ein Sechstel reduzieren.

 

  • Den „Aktionsplan für ein verbessertes Zusammenwirken von Luftverkehr und Deutscher Bahn“ finden Sie zum Download hier

Mit dem Zug zum Flug – hier ist das längst Realität:

Luft- und Schienenverkehr arbeiten seit vielen Jahren zur Stärkung des Zubringerverkehrs auf der Schiene erfolgreich zusammen. Dabei haben sich die nachfolgenden Kooperationsangebote im Bereich der Bahn-Flug-Intermodalität auch auf internationaler Ebene als beispielgebend etabliert:

  • Lufthansa Express Rail:
    Ergänzt und ersetzt Zubringerflüge der Deutschen Lufthansa (LH). Diese Zugverbindungen tragen eine LH-Flugnummer und werden wie ein Flug behandelt.
  • Rail&Fly:
    Zu- und Abbringerangebot der DB von und zu allen deutschen Bahnhöfen, das in Kombination mit einem internationalen Flug von kooperierenden Reiseveranstaltern und Luftverkehrsgesellschaften  vertrieben wird.
  • Good for Train:
    Luftverkehrsgesellschaften (Deutsche Lufthansa, Eurowings und Condor) können bei Störungen im innerdeutschen Luftverkehr ihren Passagieren eine Ersatzbeförderung mit der DB anbieten.

Funktionieren kann die Verlagerung von Verkehr auf die Schiene nur mit solchen kundenfreundlichen Mobilitätsangeboten. Eine Verlagerung per Dekret kann im internationalen Umsteigeverkehr nicht zum Erfolg führen. Wird den Passagieren in Deutschland kein komfortabler und in Bezug auf die Reisezeit wettbewerbsfähiger Reiseweg geboten, dann weichen sie per Flugzeug auf Drehkreuze im Ausland aus (Amsterdam, Paris, Istanbul, London, Dubai). Dadurch werden Emissionen nicht reduziert, sondern lediglich zu Wettbewerbern im Ausland verlagert.

Auch Lokalverkehr kann auf der Schiene stattfinden

Für Passagiere, die innerhalb Deutschlands im Lokalverkehr reisen, ist es wichtig, dass es schnelle Zugverbindungen von unter 3,5 Stunden gibt, die mehrmals pro Tag bedient werden und die Metropolen direkt – also ohne Umsteigen – miteinander verbinden.

Daten des Statistischen Bundesamtes belegen: Wenn die Bahnreisezeit von Bahnhof zu Bahnhof ca. drei Stunden beträgt, findet kein Lokalverkehr im Flugzeug mehr statt. Flugstrecken, die nicht zu den Drehkreuzen in Frankfurt oder München führen, sind mit so kurzen Bahnreisezeiten nicht wirtschaftlich zu bedienen und werden eingestellt, wie zuletzt Berlin – Nürnberg.

Benötigt der Zug jedoch von Bahnhof zu Bahnhof vier Stunden und länger, wird die Bahnreisezeit von Millionen von Kunden als nicht attraktiv genug empfunden, um die Bahn zu nutzen. Insbesondere innerdeutsche Tagesreisen sind mit solchen Zugreisezeiten nicht gut zu bewerkstelligen.

Damit Passagiere auf die Bahn umsteigen, ist somit die Reisezeit ausschlaggebend. Je näher die Reisezeit zwischen den Metropolen an die drei Stunden rückt, umso unattraktiver wird der Flug.