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Fluggerät-Mechanikerin

Die Königin der Riesenvögel

‚Nackt‘ sehen alle Flugzeuge gleich aus. Wenn die Kabine erst einmal herausgebaut ist, gibt es für Regina Rühlmann keinen Unterschied mehr zwischen normalen Verkehrsfliegern und luxuriösen Privatfliegern. Die Fluggerät-Mechanikerin kümmert sich ohnehin nicht um Schnickschnack, sondern um das Wesentliche: die Struktur der Flugzeuge.

Fluggerät-Mechaniker

Wo steht denn nun die Boeing 747? In der gigantischen Jumbo-Halle der Lufthansa Technik in Hamburg sehen Besucher häufig das Offensichtliche nicht. Der gewaltige Blechvogel, der genau wie seine Artgenossen alle fünf bis sechs Jahre zur Wartung in die Flugzeugwerkstatt rollt, schwebt ein paar Meter über dem Boden. Die Räder baumeln in der Luft. Der Rumpf ist fast komplett eingerüstet. Sie ist direkt über uns! Der Blick wandert vom fliegenden Fahrwerk bis zum Höhenleitwerk. „Stellen Sie sich vor, man arbeitet dort in rund 23 Metern Höhe und hat hier unten seinen Schraubendreher vergessen“, sagt Regina Rühlmann und lacht. „Unglaublich, wie viele Kilometer ich hier am Tag laufe“. 

Einen Eindruck von ihrer Laufleistung bekommen Besucher, wenn sie die ersten Stockwerke erklommen haben und feststellen, dass sie sich erst auf der Höhe des Rumpfes befinden. Von hier oben, Auge in Auge mit den Tragflächen, ist die Jumbo-Welt schon viel übersichtlicher. Auf der anderen Seite der Halle steht noch eine 747. „Ja, das ist die gleiche Maschine, nur als Verkehrsflieger. Der andere gehört einem Scheich“.

Fluggerät-Mechaniker

Regina Rühlmanns Reich sind die Privatmaschinen. Doch das macht für die 27-Jährige mit der neongelben Sicherheitsweste und den reflektierenden Streifen am Hosenbein keinen Unterschied. „Wenn die Kabine erst einmal ausgebaut ist, sehen die Flugzeuge alle gleich aus“, lacht sie. Dann sind goldene Wasserhähne und plüschige Betten verschwunden, ebenso wie die Decken und Fußböden, erklärt sie. Übrig bleibt nur noch ein Gerippe – und genau das ist die ‚Baustelle‘ der jungen Mechanikerin.

Gemeinsam mit ihren Kollegen aus der Lufthansa Technik nimmt die Frau die Struktur des Flugzeugs genau unter die Lupe. Gibt es irgendwo Dellen, Risse, Korrosion? Bei der Bestandsaufnahme lassen die Mechaniker nichts aus. Wenn es sein muss, geht es durch enge Löcher und mit Atemgerät bewaffnet sogar in den Tank.

Im Anschluss an die Untersuchung verrät ein Blick ins Handbuch, wie den jeweiligen Schäden zu Leibe gerückt werden kann. Es wird gebohrt, gefräst, genietet und gefeilt. Risse werden geflickt, Beulen geglättet und Korrosion entfernt. Schluss ist erst, wenn die Boeings 747s und Airbus A340s wieder topfit und flugbereit sind. Dafür bürgt Regina Rühlmann am Ende der Reparatur mit ihrem Namen.

Zwischen den Maschinen der Normalkunden und den Luxus-Fliegern der VIPs gibt es für die Mechaniker nur einen kleinen, aber feinen Unterschied: „Bei den Privatfliegern flicken wir meist von Innen“, sagt Regina. Das sei zwar aufwendiger, aber dafür sei die Stelle nachher nicht sichtbar: „Die Kunden wünschen sich eine schöne glatte Außenhaut“.

Fluggerät-Mechaniker

Ratternde Geräusche – ein Kollege schießt eine Niete ins Alu. Ein anderer liegt bäuchlings auf Streben und steckt seinen Kopf in die Eingeweide eines halbentkernten Flugzeugs. Kabel hängen von der Decke und aus dem Radio erklingt Popmusik. Der Job sieht schweißtreibend aus. Gibt es Schwielen an den Händen? Regina Rühlmann senkt ihren Blick und vergewissert sich. Dann zeigt sie mit einem breiten Grinsen demonstrativ ihre unversehrten Finger und Handflächen. „Schwere körperliche Arbeit gehört nicht zu meinem Beruf. Dafür gibt es Maschinen“, erklärt die Hamburgerin. „Meine Arbeit ist sogar filigraner als viele denken“. Beim Feilen und Kleben kommt es auf Millimeter an. Und dafür braucht man Fingerspitzengefühl.

Die junge Expertin mit den blonden Haaren ist etwas ganz Besonderes. Denn in ihrem Job gibt es nur sehr wenige Frauen. In ihrer Gruppe ist sie sogar die einzige. Akzeptanzprobleme kennt sie trotzdem nicht. Denn ihre Kollegen wissen ganz genau, was sie zu leisten vermag. Nur in fremden „Ställen“, also bei Einsätzen in anderen Stationen, gebe es hier und da Skeptiker, erzählt Regina Rühlmann. „Dort gehen die Männer erstmal ein bisschen auf Abstand und schauen sich das Ganze an“, sagt sie. Nach zwei, drei Tagen habe sie aber meist den letzten Zweifler von ihren Fähigkeiten überzeugt. „Frauen können das genauso gut. Nein, sie können das sogar besser“, ist sie überzeugt. Denn wenn sich eine Frau für diesen Beruf bewirbt, so sagt sie, dann hat sie auch richtig Lust dazu und weiß, worauf sie sich einlässt.

Fluggerät-Mechaniker

Als kleines Mädchen wollte Regina Rühlmann Gärtnerin werden, oder Försterin. So oder so stand von Anfang an fest, dass sie nicht am Schreibtisch sitzen wollte. Während eines Schulpraktikums hat sie sich dann in die Flugzeuge verliebt. Und ihre Liebe zu den tonnenschweren Maschinen hält bis heute an. Auf Anraten von Lehrern und Eltern habe sie nach ihrer Ausbildung angefangen, Flugzeugbau zu studieren, erzählt sie. Doch dann habe sie die Flieger einfach zu sehr vermisst: „Ich will meine Nase nicht in Bücher, sondern in Flugzeuge stecken,“ beschloss sie. Kurz entschlossen kehrte sie in die Hamburger Hallen zurück. Denn hier, umgegeben von schwebenden Flugzeug-Gerippen, fühlt sich Regina am wohlsten. Mittlerweile ist sie fertige Industriemeisterin für den Bereich Luftfahrttechnik. Damit hält sie sogar den Ausbilderschein in der Hand und zeigt heute ihren jüngeren Kollegen, wo es langgeht.

Angst vorm Fliegen hat die Frau mit dem königlichen Vornamen nicht. Im Gegenteil. „Ich glaube als Mechaniker steigt man ruhiger in ein Flugzeug“, sagt sie. Schließlich kenne man die Geräusche und könne sie besser einschätzen. „Wenn etwas knackt und knarzt, weiß ich meist, was gerade vor sich geht.“ An einer fehlerhaften Technik könne es ohnehin nicht liegen, da ist sich die Mechanikerin sicher. Denn die Flieger werden gründlich gecheckt. Dafür bürgt sie persönlich.


Arbeitsalltag eines Fluggerätmechanikers

Die Sicherheit hat beim Fliegen stets höchste Priorität. Dafür werden die Flotten der Airlines nach strengen gesetzlichen Vorschriften regelmäßig gewartet. Zuständig dafür sind unter anderem Fluggerätmechaniker wie Sven - Condor hat ihn mit der Kamera einen Tag begleitet: