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Klimaschutz im Luftverkehr

Luftverkehrsunternehmen tun viel, um den Treibstoffverbrauch in der Luftfahrt zu senken. So haben die deutschen Fluggesellschaften ihren Verbrauch pro Personenkilometer seit 1990 um 42 Prozent senken können. Aufgrund des Wachstums im Luftverkehr steigen die CO2-Emissionen aber weiter an. Um diese wachstumsbedingten Emissionen auszugleichen, bedarf es eines globalen Klimaschutzinstruments. Im Oktober 2016 soll die Einführung eines Offsetting-Systems auf UN-Ebene beschlossen werden.

Seit einigen Jahren wird auf internationaler Ebene über ein globales Klimaschutzinstrument verhandelt, das die CO2-Emissionen des internationalen Luftverkehrs auf dem Niveau von 2020 stabilisieren soll. Seit September 2016 liegt der offizielle Entwurf der UN-Luftfahrtbehörde ICAO für ein marktbasiertes Offsetting-System vor.

Die Logik des Systems ist einfach: CO2-Emissionen, die durch Wachstum im Luftverkehr entstehen, sollen ab 2020 durch CO2-Einsparungen an anderer Stelle kompensiert werden. Dazu werden Klimaschutzprojekte aufgesetzt, etwa zum Umstieg von fossilen Energien auf erneuerbare Energien in einem lateinamerikanischen Dorf. Die Projekte werden von unabhängigen Institutionen daraufhin überprüft, ob sie nachhaltig CO2 einsparen. Ist dies gegeben, dann werden sie unter Aufsicht der UNO zertifiziert. Nun können die Fluggesellschaften direkt oder über öffentlich definierte Handelsstellen Offsetting-Zertifikate der Projekte erwerben. Dadurch werden die Projekte finanziert und die CO2-Emissionen der Fluggesellschaften ausgeglichen. Das weltweite Offsetting-System soll auf der Vollversammlung der ICAO Anfang Oktober 2016 beschlossen werden und ab 2020 gelten.

Die internationale Luftfahrt steht grundsätzlich hinter dem Vorschlag eines globalen Offsetting-Systems und fordert von den Regierungen, es so auszugestalten, dass es möglichst alle Fluggesellschaften weltweit und alle wachstumsbedingten CO2-Emissionen der Luftfahrt einbezieht. Auch die deutsche Bundesregierung kann und sollte sich dafür einsetzen, dass die Verhandlungen zu einem Erfolg geführt werden. 

Das globale Klimaschutzinstrument (Offsetting-System) ist eingebettet in einen Klimaschutzplan der internationalen Luftfahrt aus dem Jahr 2009, der auf mehreren Säulen beruht. Insgesamt sollen die CO2-Emissionen bis 2050 gegenüber dem Jahr 2005 netto um 50 Prozent sinken.

1. CO2 reduzieren

Vor allem Fluggesellschaften, aber auch Flughäfen und Flugsicherung verringern durch zahlreiche Einzelmaßnahmen den spezifischen  Energieverbrauch in der Luftfahrt. Dadurch wird beim Fliegen Kerosin eingespart und der CO2-Ausstoß reduziert. Laut Klimaschutzplan der internationalen Luftfahrt soll der spezifische Energiebedarf der Flugzeuge pro Jahr um 1,5 Prozent gesenkt  werden. Die deutschen Fluggesellschaften übertreffen dieses Branchenziel: Sie haben den spezifischen Verbrauch ihrer Flugzeuge seit 2009 um 1,68 Prozent pro Jahr verringern können. Insgesamt haben sie den Kerosinverbrauch pro Passagier und 100 Kilometer  seit 1990 um 42 Prozent gesenkt – der durchschnittliche Verbrauch liegt bei nur noch 3,63 Liter.


Am wirksamsten ist hierbei der Ersatz älterer Flugzeuge durch energieeffizientere Modelle. Dies erfordert Investitionen in  Milliardenhöhe. Hier ist die Politik in erheblicher Mitverantwortung, denn Sonderlasten durch nationale Alleingänge bei der  Luftverkehrsteuer, den Luftsicherheitsgebühren und den Flugsicherungsgebühren entziehen den Unternehmen die notwendige  Finanzkraft für Investitionen in neue Flugzeuge. Umgekehrt heißt das: Wenn Politik diese wettbewerbsverzerrenden Sonderlasten  abbaut, stärkt sie auch die Investitionskraft für die Anschaffung von energieeffizienten Flugzeugen.

2. CO2 kompensieren

Da der weltweite Luftverkehr weiter um etwa 5 Prozent pro Jahr wachsen wird, reicht die Senkung des spezifischen  Treibstoffverbrauchs nicht aus, um den Anstieg der CO2-Emissionen zu stoppen. Hier setzt das beschriebene globale Offsetting-System an, denn es soll die wachstumsbedingten CO2-Emissionen ab 2020 ausgleichen. Das globale Offsetting-System macht die Einbeziehung des Luftverkehrs in den europäischen Emissionshandel obsolet. Folgerichtig ist dieser europäische Alleingang spätestens 2020 zu beenden. Mit dieser regionalen Insellösung werden derzeit die europäischen Fluggesellschaften einseitig und in wettbewerbsverzerrender Weise belastet. Dies nutzt nicht dem Klima, verlagert aber Verkehre auf Wettbewerber aus Drittstaaten.

3. CO2-neutral fliegen

Die Branche will die CO2-Emissionen nicht nur auf dem Niveau von 2020 stabilisieren, sondern die Netto-CO2-Emissionen gegenüber  2005 halbieren. Dafür müssen allerdings alternative Kraftstoffe und Antriebe entwickelt werden. Dies wird voraussichtlich erst langfristig möglich sein. Ansätze dafür gibt es bereits heute. Ihre Entwicklung und Einführung bedürfen jedoch politischer  Unterstützung und Förderung. Denn neue Kraftstoffe und Antriebe sind noch nicht zu Marktpreisen erhältlich. Ihr Einsatz sollte zu  marktfähigen Bedingungen erfolgen, also ohne dass neue Wettbewerbsverzerrungen zulasten von deutschen und europäischen Luftverkehrsunternehmen geschaffen werden. Weitere Informationen zu den Verhandlungen über ein globales Klimaschutzinstrument finden Sie hier.