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Branchenbespräch Luftfracht

Bereits zum vierten Mal trafen sich Experten rund um das Thema Luftfracht zum jährlichen Branchentreff von BDI, BDL und DSLV. Insgesamt 97 Teilnehmer waren in München dabei, darunter Versender, Spediteure, Vertreter der Luftverkehrswirtschaft und der Verwaltung sowie aus der Politik und den Medien Für die Veranstalter ein neuer Rekord.  Neben den wettbewerbsfähigen Rahmenbedingungen stand die Bedeutung der Bellyfracht für den Luftverkehr im Mittelpunkt des Treffens.

Podiumsgespräch

Die Teilnehmer:

  • Staatssekretär Franz Josef Pschierer, Bayerisches Staatsministerium für Wirtschaft und Medien, Energie und Technologie
  • Dr. Michael Kerkloh, FMG, Vorsitzender der Geschäftsführung
  • Michael Hoppe, BARIG, Vorstand und Generalsekretär
  • Moderation: Matthias von Randow, BDL, Hauptgeschäftsführer 

Die Diskussion:

  • Staatssekretär Franz Josef Pschierer stellte in seiner Darlegung die große volkswirtschaftlicher Bedeutung von Mobilität im Allgemeinen und Luftverkehr im Besonderen für die bayrische Wirtschaft und die gesamte Volkswirtschaft dar. Allerdings, so Pschierer, diese Bedeutung sei vielen Wählern oftmals gar nicht klar. Hier forderte er noch mehr Aufklärungsarbeit. Für das gemeinsames Ziel, zukünftig keine weiteren einseitigen Belastungen im nationalen Alleingang, wie in der Vergangenheit etwa die Luftverkehrsteuer, sicherte er eine konstruktive Mitarbeit am Luftverkehrskonzept für Deutschland zu.
  • BARIG-Vorstand Michael Hoppe wies darauf hin, dass die Standortbedingungen in Deutschland von ausländischen Carriern mit Argusaugen beobachtet werden würden. Und er warnte, dass bei Verschlechterungen diese ohne weiteres auch Flughäfen im benachbarten europäischen Ausland anfliegen könnten, von wo aus dann Luftfracht von/nach Deutschland „getruckt“ werden kann. Die Diskussionen in Deutschland über die Bedeutung des Luftverkehrs rufen im Ausland bisweilen Kopfschütteln hervor. Denn dort sei Luftverkehr aufgrund seiner Bedeutung klarer Bestandteil einer zukunftsorientierten Wirtschaftspolitik.
  • Münchens Vorsitzender der Flughafengeschäftsführung Dr. Michael Kerkloh betonte die Nutzerfinanzierung im Luftverkehr und wies in diesem Zusammenhang auf die Finanzierung der dritten Bahn in München durch die FMG hin. Dafür, dass der Luftverkehr in Deutschland nicht nur im europäischen Vergleich, sondern auch im europäischen Vergleich hinterherhinkten würde, machte er insbesondere auch die nationalen Rahmenbedingungen verantwortlich.
  • In der anschließenden Diskussion erinnerte BDL-Hauptgeschäftsführer Matthias von Randow an die Absicht der Großen Koalition, die Wettbewerbsfähigkeit des Luftverkehrsstandorts Deutschland zu steigern. Drei Punkte, sind dabei für Luftverkehrswirtschaft von besonderer Bedeutung:
  1. Teilübernahme der Luftsicherheitskosten durch die öffentliche Hand, wie in anderen Ländern und bei anderen Verkehrsträgern
  2. Übernahme der flugsicherungsfremden Lasten durch den Staat, wie in anderen Ländern
  3. Verzicht auf Erhebung  der Luftverkehrsteuer, die in der Mehrheit der Wettbewerbsländer nicht erhoben wird
Podiumsgespräch beim Branchengespräch Luftfracht 2016

Von links nach rechts: Michael Hoppe (BARIG), Dr. Michael Kerkloh (FMG), Staatssekretär Franz Josef Pschierer (Land Bayern) und Matthias von Randow (BDL)

Vortrag

In seinem Vortrag  „Zur Bedeutung der Bellyfracht für den Luftverkehr“ visualisierte Peter Gerber, Vorstandsvorsitzender der Lufthansa Cargo AG, sehr deutlich die Inhalte der gleichnamigen BDL-Studie (s. hier). :  Die Beiladefracht in Passagiermaschinen (auch: Bellyfracht) spiele mit rund der Hälfte des beförderten Warenaufkommens eine sehr große Rolle für die Luftfracht. Und auch umgekehrt, so Gerber, gilt, dass das gegenwärtige Flugangebot im Passagierluftverkehr ohne den Transport von Bellyfracht so nicht aufrechtzuerhalten wäre. Somit: Luftfrachtverkehre und Passagierluftverkehre bedingen einander. Vom Gesetzgeber vorgegebene Rahmenbedingungen für den Passagierluftverkehr beeinflussen folglich gleichermaßen den Frachtverkehr und umgekehrt. 

Rede Peter Gerber

Peter Gerber (Lufthansa Cargo AG)

Weltcafé an neun Tischen

Zum ersten Mal bei einem Branchengespräch wurde im Stil eines Weltcafés an neun Tischen diskutiert. Die Idee: Vertreter der gesamten Logistikkette sollten sich mit einem CEO nach einem kurzen Eingangsstatement intensiv austauschen. Dabei standen Themen wie „Welche wettbewerblichen Herausforderungen stellen sich der Luftfrachtbranche?“, „Wie schaffen wir mehr Akzeptanz für den Luftverkehr?“ oder „Die behördliche Umsetzung der sicheren Lieferkette“ im Vordergrund der Gespräche. Die Gesprächsleiter an den neun Tischen: 

  • Bernd-Henning Dieter, Deutscher Speditions- und Logistikverband
  • Peter Gerber, Vorsitzender des Vorstandes Lufthansa Cargo AG,
  • Anke Giesen, Vorstand Operations Fraport
  • Johannes Jähn, Geschäftsführer Mitteldeutsche Flughafen AG
  • Michael Hoppe, BARIG, Vorstand, Board of Airline Representatives in Germany e.V.
  • Dr. Michael Kerkloh, Vorsitzender der Geschäftsführung, Flughafen München GmbH
  • Matthias Krämer,  Leiter Abteilung Tarnsport u. Logistik, BDI, Bundesverband der Deutschen Industrie
  • Markus Otto, Vorstand European Air Transport (EAT) Leipzig GmbH,
  • Matthias von Randow, Hauptgeschäftsführer BDL, Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft


Das neue Gesprächsformat Weltcafé wurde von den Teilnehmer sehr gut aufgenommen. Besonders wichtig für die weitere Arbeit: An den Tischen saß jeweils auch ein Vertreter aus der Luftverkehrswirtschaft. Ideen, Anregungen und Kritik wurden von diesen aufgenommen und werden zukünftig in die Verbandsarbeit einfließen.
Das Branchengespräch 2016 endete mit einer Besichtigungstour zum neuen T2-Satelliten und den Luftfrachtfazilitäten am Standort München.

Weltcafe

Tischgespräche im Weltcafé