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Energieeffizienz & Klimaschutz

Der Luftverkehr hat viele Themen, die weit in die Gesellschaft hineinwirken. Im Rahmen des BDL-Forums, einer neuen Veranstaltungsreihe des Bundesverbandes der Deutschen Luftverkehrswirtschaft, lädt die Branche zu einem breiten Dialog über ihre Themen ein. Die Auftaktveranstaltung fand am 20. Juni 2012 statt. In Kooperation mit der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena) widmete sich der BDL dem Thema „Energieeffizienz und Klimaschutz im Luftverkehr“. Etwa 120 Gäste aus Politik und Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft, aber auch aus Umweltorganisationen, Medien und interessierter Öffentlichkeit versammelten sich im Radisson Blu Hotel in Berlin.

In seinem Grußwort stellte BDL-Präsident Klaus-Peter Siegloch den großen Nutzen des Luftverkehrs für die Menschen und für die Wirtschaft heraus, betonte aber auch die Verantwortung, die mit dem starken Wachstum des Luftverkehrs einhergeht. Die Branche habe in der Vergangenheit viel getan, um dieser Verantwortung gerecht zu werden, und sie habe sich für die Zukunft viel vorgenommen, um noch energieeffizienter zu fliegen. Dafür bedürfe es jedoch politischer Rahmenbedingungen, die es der Branche ermöglichen, die erforderlichen Investitionen zu tätigen. Denn nur eine starke Luftverkehrswirtschaft könne auch ein starker Partner für mehr Energieeffizienz und für mehr Klimaschutz sein.   

Die Energiewende kann nur gelingen, wenn auch der Verkehrssektor einen substantiellen Beitrag dazu leistet. Dies betonte Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur GmbH (dena), in seinem Grußwort. Dafür müsse klar sein, welche jeweiligen Aufgaben die einzelnen Marktakteure haben: Politik müsse die notwendigen Ziele definieren und einen geeigneten Rahmen abstecken. Sie könne aber nicht die Umsetzung bis ins Detail organisieren. Dies sei Aufgabe der Wirtschaft.

Eine umfassende Bestandsaufnahme zum Thema Energieeffizienz im Luftverkehr machte Uta Maria Pfeiffer, die im BDL den Bereich Nachhaltigkeit verantwortet. Fluggesellschaften und Herstellerindustrie hätten in der Vergangenheit große Erfolge bei der Verbesserung der Energieeffizienz erreichen können. So sei es gelungen, den spezifischen Energieverbrauch pro Passagier seit Mitte der 1990er Jahre um 30 Prozent zu senken – so dass deutsche Fluglinien heute im Durchschnitt mit vier Litern pro 100 Personenkilometern fliegen. Frau Pfeiffer betonte, dass sich die Branche auf diesem Erfolg nicht ausruhe, sondern ein ehrgeiziges Ziel verfolge: die Halbierung der Netto-CO2-Emissionen bis 2050. 

In der anschließenden Podiumsdiskussion unter dem Motto „Verkehrswachstum, knappe Rohstoffe, Klimawandel – Welche Strategien braucht der Luftverkehr?“ debattierten die Teilnehmer über Chancen und Grenzen von politischen Eingriffen in den Markt und über die Zukunft alternativer Kraftstoffe: Yvonne-Christine Schmidt von der Europäischen Kommission betonte, dass die Kommission im Hinblick auf Luftverkehrsemissionen globale Maßnahmen anstrebe und sich in ICAO dafür einsetze. Viviane Raddatz vom WWF Deutschland meinte, die Erfolge des Luftverkehrs bei der Steigerung der Energieeffizienz würden durch das starke Wachstum kompensiert, darum müsse man auch über eine Steuerung der Nachfrage nachdenken. Dirk Inger vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung sprach die Debatte um den Emissionshandel an und bezeichnete ihn als grundsätzlich geeignetes Instrument, bei dem man aber noch dazulerne. Matthias von Randow machte auf die staatliche Verantwortung zur Sicherung der Energieressourcen aufmerksam und forderte einen nationalen Entwicklungsplan für alternative Kraftstoffe und Antriebe im Luftverkehr als Teil der Mobilitäts- und Kraftstoffstrategie der Bundesregierung.   

In seiner Keynote machte Dr. Carl A. M. Brenninkmeijer, Forschungsleiter des Max-Planck-Institutes für Chemie, deutlich, dass der Klimawandel eine der zentralen Herausforderungen der Menschheit ist. Er führte aus, dass es zwar eine große Menge von wissenschaftlichen Artikeln zum Thema gebe, die großen Fragen aber nach wie vor nicht geklärt seien. Darüber, wie Emissionen konkret wirken, zumal in unterschiedlichen Höhen und zu unterschiedlichen Tageszeiten, gebe es in der Wissenschaft viele Untersuchungsansätze, aber bislang keinen Konsens. Darum sei es wünschenswert, die Rolle des Luftverkehrs mit konkreten Messungen nachvollziehbar zu machen. Als ein Beispiel für die Erfassung von Klimadaten nannte Brenninkmeijer das Forschungsprojekt CARIBIC, bei dem Flugzeuge der Lufthansa Cargo Container mit speziellen Gerätschaften rund um die Welt fliegen, um Daten für die Klimaforschung zu sammeln.

Der stellvertretende aireg-Vorsitzende Joachim Buse plädierte dafür, gemeinsam nach Wegen zu suchen, alternative Kraftstoffe erfolgreich am Markt zu etablieren. Denn auf mittlere Sicht seien alternative Kraftstoffe die erfolgversprechendste Option, um CO2-Emissionen im Luftverkehr zu reduzieren. Er betonte, dies könne nur gelingen, wenn der gebündelte Sachverstand aller Beteiligten genutzt wird und bestehende Probleme wie die Flächenkonkurrenz zum Anbau von Lebensmitteln glaubwürdig gelöst werden. Zudem warnte er davor, die Chancen aus dem Blick zu verlieren, die der Anbau von Energiepflanzen zum Beispiel für Entwicklungsländer bietet. Buse forderte, alle Beteiligten müssten in einen Dialog darüber eintreten, wie man die Phase erreichen kann, in der sich alternative Treibstoffe durch Skaleneffekte wirtschaftlich – also kostendeckend – nutzen lassen, und mit welchen Förderinstrumenten sich die Zeit bis dahin überbrücken ließe.

Abschließend wagte Dr. Andreas Sizmann, der bei Bauhaus Luftfahrt für Zukunftstechnologien und die Ökologie der Luftfahrt verantwortlich zeichnet, einen Ausblick auf die Entwicklungen der nächsten Jahre. Fokus seines Vortrags war die Frage, welche Bereiche das größte Potenzial für eine weitere Steigerung der Energieeffizienz im Luftverkehr haben. Große Technologiesprünge, so Sizmann, werde es vermutlich nicht direkt im Luftverkehr geben, sondern in anderen Bereichen, und diese ließen sich dann auch für die Verbesserung der Energieeffizienz im Luftverkehr nutzen. Die Innovationstreiber Nanotechnologie und Materialwissenschaften hätten beide erhebliches Potenzial. Zudem plädierte er dafür, die Debatte über alternative Kraftstoffe nicht auf Biokraftstoffe zu verengen, sondern auch elektro-, photo-, und thermochemische Verfahren zur Herstellung von synthetischem Kerosin zu prüfen.    

Durch die Veranstaltung führte Dr. Christian A. Rumpke, der bei der dena den Bereich Energieeffiziente Verkehrssysteme verantwortet.