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Flugroutenplanung

Wer entwickelt eigentlich Flugrouten und wie werden sie geplant?

Es gibt keinen Flughafen ohne Lärm. Und wo immer neuer Flugverkehr geplant wird, sorgen sich die Menschen, die in Flughafennähe wohnen, um den bevorstehenden zusätzlichen Lärm in ihrer Umgebung. Deswegen werden nicht nur Flughäfen sowie Start- und Landebahnen, sondern auch Flugrouten in einem sorgfältigen Verfahren entwickelt. An diesen Entscheidungsprozessen sind die Luftfahrt, die Politik, die Behörden und auch die Bürgerinnen und Bürger beteiligt. Damit zentrale Interessen – vor allem die Sicherheit des Flugverkehrs – garantiert werden, gibt es zudem strikte Auflagen und rechtliche Vorgaben für die Frage, wo Flugzeuge fliegen dürfen.

Jeder Flug beginnt und endet an einem Flughafen. Wächst der Passagierandrang und es wollen mehr Menschen fliegen als der Flughafen leisten kann, beantragen Flughafenbetreiber, die Start- und Landebahnen zu erweitern. In einem langjährigen Planfeststellungsverfahren wird dann entschieden, wo neue Pisten gebaut werden sollen. In diesem Verfahren werden auch diejenigen angehört, die von dem Bauprojekt betroffen sein werden: die Orte und Gemeinden im Umland, Bürger und Umweltverbände aus der Region.

Mit zusätzlichen Bahnen allein ist ein Flughafen aber noch nicht ausgebaut. Damit gewährleistet ist, dass die Piloten die neuen Pisten sicher und flüssig anfliegen können, wird die Deutsche Flugsicherung per Luftverkehrsgesetz mit der Planung neuer Flugrouten beauftragt.

Flugrouten müssen viele Anforderungen erfüllen

Flugrouten zu planen und zu gestalten ist eine verantwortungsvolle und hochkomplexe Aufgabe, denn es gibt einen ganzen Katalog wichtiger Kriterien zu bedenken: Flugrouten müssen zunächst schlicht fliegbar sein. Sie müssen sicher sein. Die Anwohner müssen vor unnötigem Lärm geschützt werden. Die Flugrouten sollen energieeffizient sein, damit das Klima nicht unnötig belastet wird. Und sie müssen natürlich auch wirtschaftlich sein, damit sich die Kosten für die Passagiere und die Fluggesellschaften in Grenzen halten.

Weil all diese Punkte entscheidend sind, müssen in der Flugroutenplanung strenge nationale Vorgaben und internationale Richtlinien eingehalten werden.

Viele nationale und internationale Vorgaben regeln, wie Flugrouten zu planen sind

Die Deutsche Flugsicherung ist gebunden an das Regelwerk der Internationalen Zivilluftfahrtorganisation (ICAO) – eine zweibändige Sammlung von rund eintausend Seiten, in dem Flugbetrieb und der Verlauf von Flugrouten detailliert geregelt sind.

In der ersten Planungsphase erarbeitet die Flugsicherung auf Basis der ICAO-Richtlinien ihre ersten Vorschläge für Flugrouten. Weil kein Flughafen wie der andere ist, berücksichtigt sie dabei jeweils individuell die geographische Lage, örtliche Wettergegebenheiten wie Winde und Strömungen, und auch das bestehende Luftverkehrsnetz des Flughafens.

Diese ersten Routenvarianten werden zugleich auf ihre Lärmauswirkung, die Länge der Flugwege und den damit verbundenen CO2-Ausstoß untersucht und bewertet.

Fluglärm wird in der Planungsphase simuliert

Um zu testen, welche Flugroute am wenigsten Anwohner mit möglichst wenig Lärm belastet,  verwendet die Flugsicherung ein speziell für diese Zwecke entwickeltes Simulationsprogramm: NIROS (Noise Impact Reduction und Optimisation System). Dieses Programm kalkuliert mit Hilfe eines physikalischen Modells, wie viel des von einem Flugzeug erzeugten Schalls am Boden ankommt. Es berechnet außerdem, wie hoch die Bevölkerungsdichte unter den verschiedenen Flugrouten ist – das heißt, wie viele Menschen von den unterschiedlichen Routen betroffen wären. Die Ergebnisse aus dieser Simulation werden anschließend in der Fluglärmkommission beraten. In diesem Gremium sitzen betroffene Gemeinden, Fluggesellschaften und Flughafenbetreiber an einem Tisch.

Flugroutenplanung – Betroffene reden mit

Die Fluglärmkommission befragt die Flugsicherung zu ihren Flugroutenvorschlägen. Sie hinterfragt die Gründe für die einzelnen Varianten und schlägt gegebenenfalls alternative Routen vor. Sie kann außerdem weitere Schutzmaßnahmen gegen Fluglärm und Luftverunreinigungen durch Flugzeuge empfehlen. Nach diesem Dialog mit allen Beteiligten überprüft die Flugsicherung ihre Routenmodelle und versucht, die Vorschläge aus der Kommission umzusetzen, soweit es geht.

Dabei gelten wieder die gleichen wichtigen Grundsatzbedingungen:

  • Die Flugrouten müssen die hohen Sicherheitsstandards im Luftverkehr erfüllen.
  • Sie müssen den Lärmschutz der betroffenen Menschen bestmöglich berücksichtigen.
  • Die Länge der Flugrouten muss vertretbar sein. Denn Umwege bedeuten einen höheren Kerosinverbrauch und belasten die Umwelt zusätzlich.
  • Die Flugrouten müssen einen flüssigen Flugbetrieb ermöglichen.

Wenn die Flugsicherung alle Vorschläge und Varianten abgewogen hat, legt sie ihr Ergebnis dem Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung (BAF) vor. Das BAF prüft und bewertet diesen Kompromissvorschlag der Flugsicherung. Auch das Umweltbundesamt (UBA) wird informiert und gibt eine lärmfachliche Bewertung ab. Im Anschluss daran genehmigt das BAF den Vorschlag der Flugsicherung oder verlangt Ergänzungen und weitere Prüfungen.

Das Bundesministerium der Justiz (BMJ) überprüft abschließend, ob die formalen Verfahrensregeln bei der Planung und Festlegung der Routen eingehalten wurden. Dies ist nötig, weil die Flugrouten mit ihrer Veröffentlichung rechtskräftig sind. Danach veröffentlicht das BAF die Flugrouten im Bundesanzeiger, dem Amtsblatt der deutschen Behörden.

Flugrouten sind immer ein Kompromiss

Auch wenn Flugrouten in diesem langwierigen Prozess mit so vielen Beteiligten entwickelt werden, so werden sie natürlich dennoch nie alle Betroffenen zufriedenstellen. Flugrouten sind ein Kompromiss – zwischen dem berechtigten Interesse der Menschen an Lärmschutz und der für unsere Gesellschaft ebenso unverzichtbaren Anforderung, mobil, international vernetzt und wirtschaftlich stark zu sein.

Weiterführende Information:

Planung von Flugrouten