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Emissionshandel

Emissionshandel im Luftverkehr: Ja, aber nur, wenn alle mitmachen!

In Europa wurde vor ein paar Jahren der Emissionshandel für Kraftwerke eingeführt. Damit möchte die EU die Ziele, die sie sich im Klimaschutz gesetzt hat, erreichen. Für jede von einem Kraftwerk ausgestoßene Tonne CO2 muss ein Zertifikat gekauft werden. Ein Zertifikat kostet zurzeit ca. 7 Euro. Das bedeutet, dass ein Unternehmen für eine Anlage mit sehr wenig Schadstoffen weniger sog. Emissionszertifikate kaufen muss als Unternehmen mit Anlagen, die viel CO2 ausstoßen. So werden die Unternehmen belohnt, die schon viel für den Klimaschutz getan haben, weil sie weniger Zertifikate kaufen müssen. Die anderen Unternehmen werden dadurch animiert, in klimafreundliche Technologien und Verfahren zu investieren, damit sie in Zukunft auch weniger Emissionszertifikate kaufen müssen. Auch wenn 7 Euro pro Zertifikat nicht viel klingen, so summieren sich die Kosten für Emissionszertifikate im Laufe des Jahres für viele Unternehmen auf mehrere hundert Millionen Euro.

Emissionshandel einfach erklärt

Seit 2005 hat die Europäische Union den Emissionshandel als Instrument der Klimaschutzpolitik mit ins Programm aufgenommen. Was genau der Emissionshandel bedeutet, erklärt das Video von explainity.

Gestaltung des Emissionshandels im Luftverkehr

Seit Januar 2012 ist auch der Luftverkehr in diesen Handel mit einbezogen. Das betrifft jede Airline, die in Europa startet oder landet. Jetzt müssen auch Fluggesellschaften für ihre ausgestoßenen Emissionen Zertifikate kaufen. Jeder Airline steht dabei eine Freimenge an Emissionen zu. Für alles, was über diese Freimenge an Emissionen hinausgeht, müssen Zertifikate dazugekauft werden. Damit hat jede Fluggesellschaft einen Anreiz, beispielsweise möglichst treibstoffsparende Flugzeuge einzusetzen. Durch diese Flugzeuge kann sie nämlich wieder Geld beim Emissionshandel einsparen. Bei Einführung des Emissionshandelssystems für den Luftverkehr in Europa hat sich gezeigt, dass viele Staaten, darunter auch die USA, China, Russland und Indien, den europäischen Emissionshandel ablehnen. Diese Länder kritisieren das europäische System weil sie einen Eingriff in ihre eigene staatliche Souveränität sehen. Um die Einigung auf internationaler Ebene nicht zu gefährden, hat die europäische Kommission den Emissionshandel zunächst für ein Jahr auf die Flüge beschränkt, die in Europa starten und landen.

Im Oktober 2013 wurde dann von der ICAO-Vollversammlung beschlossen, marktbasierte Instrumente einzuführen, die ab 2020 weltweit ein CO2-neutrales Wachstum im Luftverkehr ermöglichen. Bis zur nächsten ICAO-Vollversammlung im Jahr 2016 sollen die marktbasierten Instrumente ausgestaltet werden, die dann ab 2020 weltweit gelten.

Nach langem Ringen hat dann das EU-Parlament Anfang 2014 beschlossen, dass es beim Flugverkehr zunächst bis zum Jahr 2016 einen rein innereuropäischen Emissionshandel geben wird. Das heißt, alle Flüge, die innerhalb Europas starten und landen, unterliegen dem Emissionshandel. Hier müssen die Fluggesellschaften Emissionszertifikate erwerben. Alle Flüge außerhalb Europas unterliegen nicht dieser Pflicht. Damit trifft der Emissionshandel überwiegend europäische Fluggesellschaften. Nach der ICAO-Vollversammlung wird dann entschieden, wie es weiter gehen soll.

Die deutschen Fluggesellschaften unterstützen den Emissionshandel. Aber bei der Umsetzung müssen einige Dinge beachtet werden:

  • Man muss sich immer vor Augen halten, dass es schon in der Natur der Sache liegt, dass beim Fliegen Grenzen überschritten werden. Und natürlich sollte dann auch der Emissionshandel keinen Halt vor Landesgrenzen oder Kontinenten machen.
  • Fluggesellschaften stehen in einem hartem Wettbewerb miteinander. Wenn man nun ein System wie den Emissionshandel auf den europäischen Raum begrenzt, dann benachteiligt man die Fluggesellschaften, die überwiegend in Europa fliegen. Sie müssen aufgrund des Emissionshandels Zusatzkosten schultern die Ihr Unternehmensergebnis belasten; die globalen Wettbewerber kämen kostenfrei davon und könnten auf Routen von und nach Europa günstigere Tickets anbieten.
  • Im internationalen Wettbewerb muss man zwingend gleiche Bedingungen für alle schaffen. Daher ist die Einbeziehung von sog. Drittstaaten (also Staaten außerhalb Europas) in den Emissionshandel zwingend erforderlich, um gleiche Voraussetzungen für alle zu gewährleisten.

Die Position des BDL:

Die deutsche Luftverkehrswirtschaft hat sich stets zum Emissionshandel bekannt und dessen Einführung konstruktiv unterstützt. Der Bundesverband der Deutschen Luftverkehrswirtschaft hat die Bundesregierung jedoch dazu aufgefordert, sich auf europäischer Ebene für eine wettbewerbsneutrale Ausgestaltung des EU-Emissionshandels einzusetzen und auf internationaler Ebene darauf hinzuwirken, Rahmenbedingungen für eine globale Lösung zu finden. Der Beschluss der ICAO-Vollversammlung hat für eine durchdachte, internationale Lösung den Weg geebnet. Eine Beschränkung des Emissionshandels auf innereuropäische Strecken, wie sie zur Zeit in der EU praktiziert wird, widerspricht dem Grundgedanken eines Handelssystems ohne Wettbewerbsnachteile.

Interaktive  ETS-Karte

Viele Staaten haben sich mittlerweile auf den Weg gemacht und Emissionshandelssysteme eingeführt. Diese Staaten haben sich in der “International Carbon Action Partnership (ICAP)zusammengeschlossen. Sie stellen im Internet eine immer aktuelle Übersicht zur Verfügung, auf der man Einzelheiten zu den verschiedenen Systemen erhält. Hier gelangen Sie auf die entsprechende Homepage mit der interaktiven Karte.

http://www.icapcarbonaction.com/index.php?option=com_wrapper&view=wrapper&Itemid=147