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Luftqualität im Flugzeug

Wie gelangt eigentlich frische Luft in ein Flugzeug?

Oben wird die Luft immer dünner. Das weiß jeder Gipfelstürmer und erst recht jeder Pilot. Denn Piloten fliegen auf ihrer Reise in über 12.000 Metern. In dieser Höhe herrschen ganz andere Bedingungen als am Boden: Minus 50 Grad Außentemperatur und ein massiver Druckunterschied zur Erde, der dazu führt, dass kaum noch Luft und damit Sauerstoff vorhanden sind. Die Piloten und Passagiere an Bord spüren davon nichts, denn sie sind durch die Flugzeugkabine bestens geschützt.  

An Bord eines Flugzeugs sorgen zwei bis drei unabhängig voneinander betriebene Klimasysteme für optimale Bedingungen: Sie regeln die Temperatur auf angenehme 24°C, pumpen den fehlenden Druck ins Flugzeug und versorgen die Kabine ständig mit frischer Luft. Die verbrauchte Luft wird zugleich abgesaugt.

Die Zufuhr von Luft an Bord ist sehr komplex: Sie wird vom Triebwerk abgezapft, das mit über 12.000 Umdrehungen in der Minute läuft und die angesaugte Außenluft stark komprimiert. Spezielle Filter bereiten zudem die an Bord verbrauchte Luft neu auf, damit sie wiederverwertet werden kann. Auf diese Weise zirkulieren rund fünfzig Prozent der Kabinenluft. Die speziell dafür eingesetzten hochwirksamen Filter säubern die Kabinenluft von Bakterien, Viren, und Staub. Sie filtern sogar kleinste Zigarettenpartikel, die über die Kleidung von Rauchern ins Flugzeug gelangen – obwohl das Rauchen an Bord deutscher Fluggesellschaften schon seit Ende der neunziger Jahre verboten ist! Die auf diese Weise gefilterte Kabinenluft ist sauberer als die Luft in jedem Wohn- oder Geschäftsgebäude.

Damit die hohe Qualität der Kabinenluft konstant gewahrt bleibt und nichts in die Kabine gelangt, was dort nicht hin gehört, veranlassen Betreiber und Zulassungsbehörden, dass Triebwerke, Klimasysteme und Filter regelmäßig überprüft und gewartet werden.

Was ist dran an den Berichten über „kontaminierte Kabinenluft“?

Gelegentlich tauchen Berichte in der Presse auf, in denen die Vermutung geäußert wird, dass mit der abgezapften Luft aus den Triebwerken auch gesundheitsschädliche Stoffe an Bord eines Flugzeugs gelangen könnten. Die deutsche Luftfahrt nimmt solche Vorwürfe sehr ernst, denn für sie ist die Sicherheit ihrer Passagiere und Crews das höchste Gebot!

Deshalb wird jeder Vorfall, bei dem merkwürdige Gerüche an Bord auftreten – und sei es ein verbranntes Brötchen –  genau untersucht. Die Piloten und Flugbegleiter melden solche Vorfälle nicht nur ihren Fluggesellschaften, sondern auch der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU).

Der BDL unterstützt dieses Meldewesen aktiv durch regelmäßige Gespräche mit den Unternehmen und mit den Gewerkschaften der Piloten und Flugbegleiter, der Vereinigung Cockpit (VC) und der Unabhängigen Flugbegleiter Organisation (UFO). Gemeinsam arbeiten die Fluggesellschaften und ihre Crews daran, dass die Luft im Flugzeug so ständig überwacht wird.

Auch die Europäische Agentur für Flugsicherheit (EASA) – die als „Wächter“ der Europäischen Union für die Kontrolle der Flugsicherheit in Europa zuständig ist – verfolgt alle Meldungen über die Qualität der Kabinenluft genau. In einer sorgfältigen dreijährigen Untersuchung ist sie dabei 2012 erneut zu dem Schluss gekommen, dass die Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen sicher ist.

Viele Fluggesellschaften haben unabhängig davon wissenschaftliche Institute und Forscher beauftragt, zusätzliche Tests der Kabinenluft durchzuführen. Auch diese Tests haben bisher immer wieder ergeben, dass die Kabinenluft in den Flugzeugen sicher für die Gesundheit der Passagiere und Crews ist.

Aber was passiert, wenn an Bord eines Flugzeugs doch mal merkwürdige, nicht identifizierbare Gerüche auftreten? Um sicher zu gehen, dass bei derartigen Vorfällen keine gesundheitlichen Beeinträchtigungen entstehen, haben die deutschen Fluggesellschaften, Vertreter der Cockpit- und Kabinenbesatzung, die Berufsgenossenschaft Verkehr sowie Mediziner und Wissenschaftler ein medizinisches Untersuchungsverfahren entwickelt. Das damit verbundene standardisierte Erfassen medizinischer Daten ermöglicht der Berufsgenossenschaft Verkehr mögliche Zusammenhänge zu erkennen, auszuwerten und medizinische Schlussfolgerungen zu ziehen.

Der BDL hat außerdem einen Dialog mit Flugzeugbauern, Triebwerksherstellern, und Produzenten von Ölen, Sensoren und Filtern ins Leben gerufen, um auch in Zukunft gemeinsam alle Gefährdungspotentiale für Kabinenluft auszuschließen.

Gemeinsam will die deutsche Luftfahrt auch in Zukunft dafür sorgen, dass das Fliegen für unsere Passagiere und unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicher ist!

Weiterführende Informationen:

Bewertung der zuständigen EU-Behörde (engl.)

Deutsche Studie über gemeldete Geruchsvorfälle in Flugzeugkabinen

Informationen der Berufsgenossenschaft Verkehr zum Thema Kabinenluft