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Regelung zum Cockpit-Zugang

Information über die Änderung der Zugangsregelung zum Cockpit

Deutsche Fluggesellschaften setzen ursprüngliche Zugangsregelung wieder in Kraft und ergänzen diese durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen - Risikobewertungen zeigen: Zwei-Personen-Regelung bringt kein Mehr an Sicherheit

Die deutschen Fluggesellschaften werden die vorübergehend eingeführte Zwei-Personen-Regelung im Cockpit nicht länger umsetzen. Stattdessen wird die ursprüngliche Zugangsregelung zum Cockpit wieder in Kraft gesetzt und durch zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergänzt. Das ist das Ergebnis umfangreicher Risikobewertungen, die alle deutschen Luftfahrtunternehmen auf Empfehlung der Europäischen Agentur für Flugsicherheit EASA durchgeführt haben. Die Evaluierung hat gezeigt, dass die Zwei-Personen-Regelung keinen Sicherheitsmehrgewinn bringt, sondern andere flugsicherheitsrelevante Risiken im täglichen Regelbetrieb entstehen. Die Flugbetriebe der großen deutschen Fluggesellschaften (Fluggesellschaften, die Mitglied im BDL sind) werden diese neue Sicherheitsregelung gegenüber dem Luftfahrt-Bundesamt anzeigen und bis spätestens 1. Juni 2017 umsetzen.

Die Zwei-Personen-Regelung war einer mittlerweile aufgehobenen Empfehlung der EASA folgend als Sofortmaßnahme nach dem Germanwings-Unglück im März 2015 eingeführt worden. Der Regelung zufolge sollte eine andere autorisierte Person im Cockpit Platz nehmen, falls einer der beiden Piloten kurzfristig das Cockpit verlassen muss. Schon bei der Einführung dieser Sofortmaßnahme wurde festgelegt, dass diese nach einem Jahr einer Evaluierung unterzogen werden solle (siehe Abschlussbericht der Taskforce Airline Safety) – auch im Lichte zusätzlicher Sicherheitsmaßnahmen, die sich aus den Schlussfolgerungen zum Abschlussbericht der Unfalluntersuchung ergeben haben und mittlerweile bei allen deutschen Fluggesellschaften umgesetzt werden.

Die EASA hat die Erfahrungen mit der Zwei-Personen-Regelung im Cockpit evaluiert (siehe die Ergebnisse des „Assessment of effectiveness of 2-persons-in-the-cockpit recommendation in-cluded in EASA SIB 2015-04“) und im Ergebnis im Juli 2016 vorgeschlagen, auf Basis der Durchführung eines Risk-Assessments und der Prüfung zusätzlicher Maßnahmen die bisherige Zwei-Personen-Regelung durch folgende Regeln zu ersetzen (EASA SIB 2016-09):

  1. Von Seiten der Fluggesellschaften ist stets sicherzustellen, dass mindestens ein qualifizierter Pilot im Cockpit bleibt, falls ein Pilot im Flugbetrieb aus zwingenden technischen oder physischen Gründen das Cockpit vorübergehend verlassen muss.
  2. Die Fluggesellschaften haben den Empfehlungen des Taskforce-Berichts und der EASA folgend ein Risk-Assessment zur Cockpitbesetzung durchzuführen und dabei zusätzlich Folgendes zu prüfen:
  • dass die Unternehmen geeignete Verfahren haben, um die psychologischen und Sicherheitsanforderungen an die Piloten zu prüfen,
  • der Zugang der Piloten zu psychologischen Beratungs- und Unterstützungsprogrammen gewährleistet ist,
  • ebenso wie stabile Beschäftigungsverhältnisse für Piloten
  • und die Möglichkeiten des Unternehmens, die psychologischen und sozialen Risiken zu verringern.

Die Flugbetriebe der BDL-Fluggesellschaften haben jeweils ein entsprechendes Risk-Assessment durchgeführt. Diese Risk-Assessments haben unabhängig voneinander ergeben:

  • dass durch die Zwei-Personen-Regelung und das damit einhergehende häufigere und vorhersehbare Öffnen der Cockpittür zusätzliche Sicherheitsrisiken entstehen; insbesondere erhöht sich das Risiko, dass sich Unbefugte Zutritt zum Cockpit verschaffen. Außerdem wird mit der Zwei-Personen-Regelung der Personenkreis größer, der autorisiert das Cockpit betreten darf, und geschultes Kabinenpersonal ist in einem möglichen Notfall im Cockpit gebunden und kann nicht in der Kabine Hilfe leisten.
  • dass die Gefahr eines Angriffs von außen durch terroristische beziehungsweise kriminelle Handlungen nach wie vor sehr viel höher eingeschätzt werden muss als die Gefahr durch sogenannte Homicide/Suicide-Fälle.

Vor diesem Hintergrund ergibt sich:

  1. Die Sicherheitsfunktion der Cockpittür darf nicht durch Zugangsregelungen, wie die Zwei-Personen-Regelung, gemindert werden.
  2. Der richtige Ansatz, das extrem geringe Risiko eines Selbstmord-Szenarios weiter zu vermindern, kann in der Sicherheitsabwägung zielführend nur in verstärkter, auch diagnostischer, Sensibilisierung für psychische/mentale Erkrankungen und entsprechenden darauf abzielenden zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen liegen. Dazu gehören die verstärkte flugmedizinische Aufsicht bei den Auswahl- und Überprüfungsverfahren der Piloten, der Ausbau der Support-Programme und die Minderung der psychologischen und wirtschaftlichen Risiken für Piloten.


Diese entsprechen auch der Empfehlung der europäischen Flugsicherheitsagentur (EASA SIB 2016-09). Über diese Empfehlung hinaus wurden in Deutschland im Rahmen der 15. Revision des Luftverkehrsgesetzes Stichprobenkontrollen auf Alkohol, Drogen und Medikamente eingeführt. Das Gesetzt trat für die deutschen Fluggesellschaften zum 21. April in Kraft.

Vor diesem Hintergrund soll die Zwei-Personen-Regelung bis zum 1. Juni 2017 durch die ursprüngliche Zugangsregelung ersetzt werden.

Hier finden Sie das vollständige Informationspapier mit zusätzlichen Erläuterungen:

Information über die Änderung der Zugangsregelung zum Cockpit (403,0 KB)

Information concerning the change in the cockpit access regulation (352,9 KB)